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Nora feat. aktiv Radfahren: Nordkap-Artikel!

Rentiere und die Einsamkeit…

Die brandneue Ausgabe des Bike Lifestyle-Magazins aktiv Radfahren ist ab sofort erhältlich!

Mit dabei: Ich und meine Radreise von Nürnberg zum Nordkap in 30 Tagen (Reiselog auch hier)!

Viel Spaß beim Stöbern und Schwelgen im Fernweh!
Als kleines Sneak Preview hier die erste Seite
 
 

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Brandneu

Wer shreddet so spät durch Nacht und Wind? – Weihnachtsedition

Die Plätzchen sind gebacken, der Braten ist bestellt, der Glühwein warm gestellt – Zeit für besinnliches Einstimmen auf die Festtage. Oder so ähnlich. Denn in der dunklen Jahreszeit muss ich aus unerfindlichen Gründen immer an Goethes Ballade vom Erlkönig denken. Vielleicht weil die dürren Äste neben dem Trail so grausig im Wind knarzen und die Dunkelheit der Wälder vollkommen ist und der Frost sein ganz eigenes Lied singt.
Zeit jedenfalls für eine Neu-, Um- oder Alternativinterpretation des lyrischen Klassikers! In Bikeslang natürlich ;).
Damit wünsche ich euch allen ein frohes und besinnliches Fest mit möglichst vielen Post-Schmaus-Nightrides und einen guten Rutsch in ein radlastiges Jahr 2019!

Der Shredkönig

Wer shreddet so spät durch Nacht und Wind?

Es ist der Biker auf Reifen geschwind.

Die Helmlampe schwach, Die Finger erfor´n

zu lange war der Nightride geword´n.

„Schatz, wo bleibst du?“ drängt´s Mobiltelefon

Die Liebsten sind schon unruhig geword´n.

Oh Biker, was birgst du so bang dein Gesicht?

Schau hin, gib acht, siehst du den Step Down da nicht?

Es zittert der Frost, der Reifen hebt ab

die Airtime war so nicht geplant

Glühwein im Bauch, Lampe am Helm

So kann man zur Hölle fahr´n.

Denkt sich der Biker und sieht schon das Kreuz

und trauernden Schatze am Grab

Oh Liebchen, mein Liebchen, verzeih mir´s Geshredde

Ich küss dich vom Himmel herab

Da streifen die kahlen Äste der Eiche

Am Trailrand die segelnden Schuh´

Und dem Bikergeselle, im Flug eingefroren,

ist es als flüstert´s ihm zu:

Willst feiner Biker du mit mir geh´n?

Mein hölzerner Leib will dich warten schön

Meine Äste führen den nächtlichen Reihn

Und wiegen und stampfen und brechen dich ein.

Dem Biker grauset´s, er fasset geschwind

im Flug noch den Lenker und hält ihn bestimmt

Schon schlägt er zu Boden

der Federweg ächzt

Beinahe hätt´ er die Bikeshort durchnässt

Er schlingert und zittert,

den Schnee im Gesicht

Doch, Wunder oh Wunder,

der Biker fällt nicht.

Die Lungen keuchen, die Lampe geht aus

Die Eiche knarrt ihren Zorn hinaus

Und endlich, dort vorne, blinzelt´s Straßenlicht

Nur einmal zurück noch blickt des Bikers Gesicht:

Der Wald steht still, dunkel und dicht

Dem Biker grauset´s, er radelt geschwind

Der Frost in den Augen schlägt ihn fast blind

Erreicht seinen Schatz und den Braten bereit

Allmächtiger Bikegott, was für ein Ride!

 

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Brandneu

GAIN Magazin: Ist eSport denn Sport?

Ist eSport denn Sport? Der Ende 2017 gegründete eSport-Bund Deutschland (ESBD) bejaht dies klar – und setzt sich für die Anerkennung desselben als Sportart bundesweit ein. Aber was für den einen selbstverständlich, ist noch lange nicht allgemein anerkannt. Um die Stellung des eSports als Sport – und damit mit sämtlichen rechtlichen Vorteilen und auch Verpflichtungen einer anerkannten Sportart – zu legitimieren, braucht es die Politik. Die hat sich dem Thema durchaus fleißig angenähert: Zum ersten Mal überhaupt eröffnete Bundeskanzlerin Angela Merkel im vergangenen Jahr die weltweit größte Spielemesse, die Gamescom, in Köln. Und ihre Betonung darauf, dass „Computer- und Videospielen […] als Kulturgut, als Innovationsmotor und als Wirtschaftsfaktor […] allergrößte Bedeutung [haben]“ ließ das Spielerherz höher schlagen – und hoffen. Darauf nämlich, dass auf die blumigen Worte Taten folgen mögen – dass sich die Bundesregierung aktiv für die Förderung der Videospielkultur einsetzt und damit auch für den eSport als zentrale Sparte des Gaming.
Und tatsächlich: Im Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD heißt es, man wolle „eSports künftig vollständig als eigene Sportart mit Vereins- und Verbandsrecht anerkennen und bei der Schaffung einer olympischen Perspektive unterstützen“. Die Begründung: eSports schule „wichtige Fähigkeiten, die nicht nur in der digitalen Welt von Bedeutung sind und die Training und Sportstrukturen erfordern“. Die Anerkennung als Sportart, so ESBD-Präsident Hans Jagnow, sei Grundvoraussetzung für eine „Integration in die Sportförderung der Länder, die Reisefreiheit für Berufs-eSportler und Coaches und den Aufbau einer breiten Amateurstruktur“.  Wer also (gefördert) spielen will, muss politisch aktiv werden.
Aber wie gestaltet sich eigentlich die faktische Umsetzung der theoretischen Zugeständnisse? Was ist bislang dabei rumgekommen, wenn man so will?

JETZT in #8 GAIN Magazin!

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"Immer dieser Mädchenkram" Panelspeaker am Fachtag

Am Dienstag, den 27. November 2018 luden die Jugendeinrichtungen der Städte Nürnberg, Fürth und Erlangen zur Fachtagung “Immer dieser Mädchenkram. Freizeitverhalten von Mädchen – Was ist das überhaupt?” in das Jugendmedienzentrum Connect.
In vier Panels wurden Themen rund um das Thema Freizeitverhalten von Mädchen be-und althergebrachte Klischees und Stereotypen des Typisch-Weiblichen bzw. Typisch-Männlichen durchbrochen.
Ich  war mit dabei und sprach als Panelspeaker zum Thema “Männer- und Frauenberufe – Gibt´s das noch?”: Über die Herausforderungen, in männerdominierten Berufsfeldern untwergs zu sein – über Frustration und Motivation, Perspektivwechsel und Selbstermächtigung.
Das Resümee:
In männerdominierten Berufsfeldern unterwegs zu sein stellt mich als Game Journalistin, Bike Guide und Autorin immer wieder vor neue Herausforderungen. Kann ich als Frau überhaupt Ahnung von Computerspielen haben? Kann ich als Frau auf dem Mountainbike überhaupt mit Männern mithalten? Mit solchen und anderen Klischees bin ich als Frau in männerdominierten Berufssparten konfrontiert.
Und genau das war auch der Kern meines Vortrags. Denn worüber wir letztlich eigentlich sprechen (müssen) sind Stereotypen – genauer: Gender-Stereotypen. Dabei wurde in der anschließenden Diskussion in den Panels festgestellt, dass nicht die Stereotypen selbst das eigentliche Problem darstellen. Stereotypen sind gewissermaßen notwendig, zumindest aber unvermeidbar. Sie dienen dazu, die Welt um uns zu kategorisieren. Ja, letztlich in Schubladen zu stecken. Wir kategorisieren die Welt um uns herum auf Basis von (vermeintlichen oder tatsächlichen) Ähnlichkeitsbeziehungen und Erfahrungen. Wenn wir jede Situation jedes Mal „neu“ erlernen müssten, wären wir einer unerträglichen Reizüberflutung und einer Überforderung ausgesetzt, die uns handlungsunfähig werden ließe.
Also – nicht die Stereotypen per se sind das Problem. Das Problem ist, wenn wir diese (unreflektiert) handlungswirksam werden lassen.
Um einen neuen Umgang mit stereotyp Binärem wie „typisch weiblich“ bzw. „typisch männlich“ ermöglichen zu können, müssen wir also die Stereotypen unseres normativen Alltags bewusst werden lassen, offen legen und sie reflektieren.
Um sie schließlich durchbrechen zu können!
Danke an Andrea Brandl und das wunderbare Orga-Team für einen anregenden und diskussionsreichen Fachtag!

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Immer dieser Mädchenkram – Panelgast am Fachtag 27.11.2018

Am Dienstag, den 27. November 2018 laden die Jugendeinrichtungen der Städte Nürnberg, Fürth und Erlangen zur Fachtagung „Immer dieser Mädchenkram. Freizeitverhalten von Mädchen – Was ist das überhaupt?“ in das Jugendmedienzentrum Connect.
In vier Panels werden Themen rund um das Thema Freizeitverhalten von Mädchen be-und althergebrachte Klischees und Stereotypen des Typisch-Weiblichen bzw. Typisch-Männlichen durchbrochen.
Ich bin mit dabei und werde als Panelgast zum Thema „Männer- und Frauenberufe – Gibt´s das noch?“ sprechen: Über die Herausforderungen, in männerdominierten Berufsfeldern untwergs zu sein – über Frustration und Motivation, Perspektivwechsel und Selbstermächtigung.
Also, stay tuned und be renegades ;)!

Alle Infos hier.

Flyer

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Wem gehört der Wald? Beteiligung zur Änderung der 2 m-Regel in Baden-Württemberg!

Mit zunehmender Popularität des Mountainbikens als Breitensport verschärfen sich die Konfliktpotentiale zwischen Bikern und anderen Waldnutzern und der Waldnutzung als solcher. So oder so ähnlich scheint es zumindest, wenn man wieder einmal von Clashes zwischen übelgelaunten Sonntagsspaziergängern und dem ein oder anderen Mountainbiker hört, der sich Rowdytum vorwerfen oder den lapidaren Satz „Das ist hier kein Fahrradweg!“ anhören muss. Zweifellos gibt es einzelne rücksichtlose Enduristen, die bergab für keine Omi bremsen würden, die ihnen entgegengehumpelt kommt. Die populistische Gier, mit der sich aber so mancher Unwohlwollender auf den vermeintlichen Klassenkampf zwischen Mountainbikern und anderen Waldnutzern stürzt, bildet die Realität aber wohl kaum ab.
Freilich fallen die vereinzelten schwarzen Schafe mehr auf als der Großteil der umgänglich und rücksichtsvoll ihren Sport ausübenden Mehrheit. Aus einer Minderheit  einen Elefanten zu machen und als Pauschalisierungswerkzeug zu missbrauchen, ist nichts Neues. Es ist die klassische Sündenbocktheorie, die ebenso zeitlos wie gefährlich ist. Sie verfälscht schlicht das Bild und sorgt nur für weiteren Unmut, auf Basis verzerrter Fakten, und damit einer weiteren Verschärfung des Konflikts. Zu beobachten war das etwa unlängst bei der von den Nürnberger Nachrichten ausgerufenen Podiumsdiskussion mit dem Thema „Wem gehört der Nürnberger Reichswald?“. Obwohl sich die Diskussion, an der Vertreter des Forstes, des Bundes Naturschutz und ein Mountainbike-Coach beteiligt waren, zum Großteil um Rückegassen und deren potentieller Problematik für Flora und Fauna des Waldes drehte und das Thema Mountainbike nur kurz angeschnitten wurde und im Plenum kein großes Problem darzustellen schien, titelten die Nürnberger Nachrichten am darauffolgenden Tag reißerisch: „Indiskutabel und unverschämt“ und „Abriss der Schwarzbauten [der Mountainbiker] im Wald ist teuer“. Das verzerrte die faktisch stattgefundene Diskussion und goss Öl ins Feuer des „Klassenkampfes“.
Ökonomisch ist das freilich nachvollziehbar. Welcher Leser hätte sich schon um einen Artikel mit dem Titel „Rückegassen sind echt nicht so toll“ geschert? Die reißerische Aufmachung ist aus ökonomischen Gesichtspunkten zwar nachvollziehbar, aus normativen aber kaum. Vielmehr wurde hier die Mär vom Mountainbiker als rücksichtslosem Downhill-Rowdy, der auch noch vermummt hinter seinem Fullface-Helm und den Goggles den Schrecken der Gesichtslosigkeit füttert und damit in dieselbe Kerbe schlägt wie das Unbehagen des Kleinbürgers, wenn er auf eine Burka-Trägerin stößt, weitergesponnen. Nochmal: Klar gibt es diesen Typus Biker. Aber er ist wohl eine Rarität – ein Archetyp kollektiv gesteigerter Angst, die eben durch solche reißerischen Ansätze noch weiter geschürt wird. Indes ist es zweifellos der Fall, dass es eine ganze Menge von Konfliktpotentialen zwischen den verschiedenen Waldnutzern gibt – Erholungssuchende, Sportler, Förster, Tiere.
Was also tun mit den Mountainbikern, dieser gefühlten neuen „Horde“? Nun, nach dem Bundeswaldgesetz ist das Radfahren auf allen Straßen und Wegen erlaubt. Wie das Ganze dann aber in den einzelnen Bundesländern aussieht, ist höchst unterschiedlich. Während in Bayern mit Art. 28 Abs. 1 Satz 1 BayNatSchG das Betretungsrecht mit dem Begriff der „geeigneten Wege“ relativ liberal gefasst ist, sieht das etwa in Baden-Württemberg ganz anders aus. Baden-Württemberg beschränkt das Radfahren in § 37.3 Landeswaldgesetz  radikal auf Wege über 2 m Breite. Das verschiebt das Mountainbiken zwangsläufig in die Illegalität. Mehr noch: Das Verbot bereitet nicht nur Lehrkräften und Vereinen des Mountainbikesports Probleme. Auch für den Tourismus, der keine attraktiven Strecken anbieten kann, hat dies nur Nachteile. Bereits 2014 forderten die Radverbände in einer Petition mit 58.000 Unterschriften die Landesregierung auf, das Pauschalverbot zu kippen. Die Regierung folgte aber dem Druck von Waldbesitzer-, Jagd- und Wanderverbänden und behielt das Verbot bei. Als Ausgleich sollte ein Wegenetz von Trails für die Radfahrer ausgewiesen werden. Bis 2015 wurden lediglich 150 km solcher schmalen Wege ausgewiesen – eine Zahl, die den Bedarf im Vergleich zu den 85.0000 km Forststraßen im Land, bei weitem nicht deckt. Die bestehenden, aber für Radfahrer aufgrund der Regelung verbotenen, Wege unter 2 m Breite dürften mehrere 10.000 km Gesamtlänge haben.
Dass etwas geändert werden muss, liegt auf der Hand. Aber ohne das aktive Engagement der zahlreichen Mountainbiker da draußen, in deren Interesse ja diese Änderung wäre, bleiben alle Bemühungen der Radsportverbände wohl ein Kampf gegen Windmühlen. Genauso, wie es in der Hand jedes Einzelnen liegt, proaktiv der populistisch wirksamen Mär vom rücksichtslosen Radlraser entgegenzuwirken, indem er sich entsprechend verhält – also rücksichtsvoll, höflich und vorausschauend den anderen Waldnutzern gegenüber auftritt und respektvoll mit dem Wald als solchem umgeht – genauso liegt es in unserer Hand, für die Ausübung unseres Sports einzutreten.
Wir wollen nicht in die Illegalität abgedrängt werden.
Wir wollen nicht unerwünscht sein.
Wir wollen nicht übergangen werden.
Und der Moment ist jetzt!
Baden-Württemberg sieht gerade eine Waldgesetzänderung vor, in der das Sperren des Waldes vereinfacht und die 2 m-Regel erhalten werden soll. Noch bis MORGEN, den 16. November 2018, läuft das Beteiligungsverfahren für die Öffentlichkeit an dem Gesetzesentwurf.
Jetzt liegt es an uns allen, jedem einzelnen Biker da draußen.
Jetzt haben wir die Möglichkeit zur Änderung.
Noch bis morgen können wir diesem Änderungsbegehren Luft machen und kommentieren unter: https://beteiligungsportal.baden-wuerttemberg.de/de/mitmachen/lp-16/forstreform.
Lassen wir diese Möglichkeit nicht verstreichen! Wer biken will, muss kämpfen!
 

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Des Bikers Gespür für Schnee

Grau in grau, Nieselregen auf Beton und der Wind beißt. Die meisten Bikeparks haben das Season Ending eingeläutet, die Tore sind geschlossen, die Lifte stehen still oder bereiten sich auf die Welle der Wintersportler vor. Der frühe Sonnenuntergang bringt die Vollzeit arbeitenden Biker zeitlich arg in Bedrängnis. Überall im Land werden die Enduros, Downhiller, Cross-Country-Bikes winterfest gemacht. Was oft bedeutet – Winterschlaf im Keller. Die Bikesaison ist zu Ende.
Oder?
Mitnichten. Klar, wir können den Winter nutzen und endlich wieder unser Fitnessclub-Abo reaktivieren und fleißig Spinning betreiben, Twerking lernen, Zumba oder was sonst so auf dem Clubprogramm steht.
Oder wir nutzen das Schlammmatschwetter, um den Wald endlich einmal so richtig für uns zu haben. Sicher, bei heiterem Sonnenschein und angenehmen 25 Grad fährt es sich geschmeidiger. Aber wer einmal bei Schmuddelwetter durch Matschlöcher geschlittert ist und den Atem beim Uphill vor sich hat gleißend quasi-gefrieren sehen, der weiß, dass der Winter nicht das Ende der Saison darstellt, sondern lediglich deren herausfordernde Erweiterung. Und vielleicht ist die kalte Jahreszeit sogar die bessere Saison. Wo sonst lernt man das Handling seines Bikes unnachgiebiger und nachhaltiger als auf morastigen Wurzelfeldern und glatten Eispassagen? Wo sonst bringt man seine Abwehrkräfte auf Vordermann, wenn nicht im nasskalten Zwielicht eines herausfordernden Winters?
Und das Beste: Wir haben den Wald ganz für uns alleine. Denn welcher Bekloppte geht schon bei so einem Wetter vor die Tür? Nun – wir. Zumindest sollten wir das. Das Land hat einen ganz eigenen Zauber in der vermeintlichen Düsternis der kalten Tage. Es erinnert an Robert Frosts (welch passender Name zur beschriebenen Witterung)  Gedicht aus dem frühen 20. Jahrhundert:

Whose woods these are I think I know.
His house is in the village though;
He will not see me stopping here
To watch his woods fill up with snow.
 
My little horse must think it queer
To stop without a farmhouse near
Between the woods and frozen lake
The darkest evening of the year.
 
He gives his harness bells a shake
To ask if there is some mistake.
The only other sound´s the sweep
Of easy wind and downy flake.
 
The woods are lovely, dark and deep,
But I have promises to keep,
And miles to go before I sleep,
And miles to go before I sleep.

Ersetzen wir flugs das kleine Pferdchen mit unserem Drahtesel und schon haben wir eine stimmungsvolle Beschreibung einer winterlichen Ausfahrt. Und wenn dann Matsch, Regen und Schlamm langsam aber sicher in weiße Flocken übergehen, trägt der Wald eine Stimmung in sich, die der vogelzwitschernden Sommerfülle zwar konträr entgegensteht – aber genau deswegen ihre ganz eigene Faszination hat.
Bleiben wir im Schneetreiben einmal stehen, oben am Beginn des Trails, und lauschen wir. Manchmal, wenn es still genug ist – was es in der Raserei unseres Alltags ansonsten eigentlich nie ist – kann man den Schnee hören. Wie er fällt, leise und sanft und sich beinahe unmerklich auf den frostklimmenden Boden legt und auf die kahlen Äste um uns. Wer den Schnee fallen hört, kann sich glücklich schätzen – er hat irgendetwas richtig gemacht. Und wer den Trail dann bergab durch das weiße Wunderland radelt, der entwickelt wie Fräulein Smila bald das Gespür für Schnee. Wie er sich in seinen verschiedenen Festigkeitsstufen unter dem Rad verhält, wie er nochmal ein ganz anderes vorausschauendes Fahren abverlangt – und manchmal sogar einen leap of faith, weil die weiße Decke den Trailverlauf stellenweise verschluckt, stellenweise verzerrt.
Das Ende der einen Saison ist also nur der Anfang einer anderen, die ihren ganz eigenen Reiz hat. Den Reiz des Stillen, den Reiz der Einsamkeit, den Reiz der Herausforderung – an Mensch wie Material.
Holen wir das Bike also wieder aus dem Keller, beenden wir den Winterschlaf. Feiern wir den Matsch, den Schlamm und den Schmodder. Entwickeln wir das Gespür für Schnee und hören wir den Flocken beim Fallen zu. Und flüstern wir, wenn der Atem vor uns in kleinen Wölkchen in das Halbdunkel einer langen Winternacht aufsteigt:
The woods are lovely, dark and deep!

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Brandneu

Der Weg nach Panama

Wann haben wir eigentlich das Abenteuer verlernt? Oder besser noch: Wann haben wir eigentlich das abenteuern verlernt? In Zeiten des global village ist die Verlockung groß – da im Vergleich zu früheren Zeiten relativ simpel – im wahrsten Sinne des Goetheschen Wortes „in die Ferne zu schweifen“. Die letzten Abenteuer, so zumindest flüstert es das unstete Weltenwandernde in uns, liegen fernab der eigenen Haustür. Und so stecken wir unsere Bikes in Travelbags jeder Form und Größe und buchen Bikeurlaube an den Rändern der Welt: Madeira, Finale Ligure, ja gar so weite Sehnsuchtsorte wie Nepal oder Kamtschatka stehen auf der Trendliste ganz oben. Wir reichen unseren Urlaubsantrag ein und planen so das Abenteuer fein säuberlich in unseren Jahreskalender ein. Wie das Licht am Ende des Alltagstunnels scheint er uns dann, dieser geplante Ausbruch aus den Routinen unseres Seins.
Aber braucht es denn eigentlich die Distanz für das Abenteuer. Anders gefragt: Ist das Abenteuer unweigerlich geknüpft an die Voraussetzung der örtlichen Entfernung?
Erinnern wir uns: Als wir klein waren, war die Welt groß. Das Abenteuer wartete an jeder Ecke. In den mit allerlei Abfall (damals: Piratenschätzen) gespickten Untiefen der nachbarschaftlichen städtischen Grünanlage. Auf dem knorrigen alten Apfelbaum (damals: der Turm zum Himmel) der Großmutter.  An den Rändern des Stadtparkteiches (damals: die Küsten noch unerschlossener Weltmeere). Die Welt war groß, weil sie überall war und überall mit Abenteuern, Expeditionen, Wagnissen auf uns zu warten schien. Je älter wir wurden, desto mehr verloren die Dinge an gefühltem abenteuerlichem Umfang. Kurz: Der Teich war nur noch ein Teich. Der Baum nur noch ein Baum. Und die verschmutzte Grünanlage ein Schandfleck, in dem keine Abenteuer mehr warteten außer vielleicht das Abenteuer einer spontanen Blutvergiftung, weil man sich den Sandalenzeh des sommers an einer achtlos dahingeworfenen zerknautschten Coladose aufschnitt.
Auf der Suche nach dem verlorenen Abenteuer mussten wir weiter gehen. Wir begonnen, fremde Länder zu bereisen ohne zu begreifen, dass die Sehnsucht, mit der wir auf unserer all inclusive gebuchten Biketour durch das ägyptische Hinterland den kurzen Moment des Kontakts mit einem oder einem anderen Einheimischen ersehnten, um dann sagen zu können, wir hätten dieses fremde Land, seine Kultur, „erlebt“ nichts anderes als Verzweiflung ist. Die Verzweiflung nämlich, jenes Gefühl zu rekonstruieren, das uns auf dem großmütterlichen Apfelbaum damals dem Himmel so nah brachte.
Das bedeutet natürlich nicht, dass keines unserer „erwachsenen“ Abenteuer hinfällig ist. Im Gegenteil: In die Fremde zu gehen ist immer heilsam. Weil es uns in letzter Instanz selbst in Frage stellt. Weil wir uns mit anderen Menschen, anderen Kulturen, anderen Denkweisen und anderen Geschichten auseinandersetzen müssen und damit mit uns selbst und unserem eigenen Selbstverständnis.
Aber ist es Bedingung für Abenteuer?
Nein.
Brauchen wir die Trails ferner Lande, um auf unserem Bike Abenteuer zu erleben?
Nein.
Das Abenteuer ist nicht verortbar. Im Klartext: Das Abenteuer kennt keinen Ort. Oder besser: Es ist ihm völlig gleich. Wenn wir jedes Mal einen neuen Trail in einem neuen Land, am besten möglichst weit von zuhause, fahren müssten, um das zu erleben, was wir gemeinhin als Abenteuer verstehen, dann wären wir nichts weiter als Getriebene, Heimatlose wenn man so will, die der Sehnsucht nach dem weißen Fleck auf der Karte, der Erstbefahrung, der Erstbesteigung nachjagen in einer Welt, in der es ein erstes Mal gar nicht mehr gibt.
Zum Glück ist das aber gar nicht nötig. Das Abenteuer findet nämlich nicht da draußen statt, sondern in unseren Köpfen. Besser: In unseren Herzen.
Die Abenteuerlosigkeit unseres Alltags ist ein Mangel unserer Fantasie nicht unserer Freiheit.
Wir können heutzutage überall hin. Aber wenn wir das Abenteuer nicht in unseren Herzen tragen, werden wir es auch am hinterletzten Spitzkehren-Trail am Hindukusch vergebens suchen.
Umgekehrt bedeutet das etwas sehr tröstliches: Wir sind zwar älter geworden und dem Apfelbaum entwachsen. Aber wir können zurück. Oder eher: Wir können ihn wiederfinden.
Der britische Abenteurer und Autor Alastair Humphreys hat dafür sogar einen Begriff geprägt: Das Mikro-Abenteuer. Grundlage der Idee ist die Annahme, dass das Abenteuer überall erlebbar ist, ausdrücklich und vor allem auch „in der eigenen näheren Umgebung, auch wenn man wenig Zeit hat, etwa wenn man im nahe gelegenen Wald für eine Nacht ein Zelt aufschlägt, die eigene Stadt bei Mondlicht erkundet oder eine Pyjama-Party im eigenen Hinterhof feiert“ (The New York Times). Das Abenteuer ist eben ortsunabhängig. Es beginnt in den Köpfen und den Herzen.
Weit weniger kulturwissenschaftlich aufgeladen hat das Konzept  zuvor schon ein ganz anderer begriffen, den die meisten von uns kennen werden: Janosch in seiner Kindergeschichte „Oh, wie schön ist Panama“. Als der kleine Bär eines Tages eine leere Holzkiste aus dem Fluß fischt, auf der „Panama“ steht und die nach Bananen und fernen Ländern und Versprechen nach Abenteuern riecht, beschließen er und der kleine Tiger (samt seiner Tigerente), sich auf den Weg in das nun als solches auserkorene Land ihrer Träume zu machen. In diesem wäre sicher alles größer, schöner und abenteuerlicher als zuhause. Am Ende (spoiler alert für alle, die die Geschichte nicht kennen) landen sie aber wieder da, wo sie losgegangen sind und glauben sich im Land ihrer Träume angekommen. Der Ort hat sich nicht geändert. Wohl aber ihre Perspektive auf diesen. „Oh, wie schön ist Panama“ ist eine Allegorie auf das Abenteuer, das nur in unseren Herzen und unseren Köpfen stattfindet.
Deshalb: Wir brauchen keine Trails am Ende der Welt, um zurück zum Apfelbaum zu finden.
Also, nehmen wir unsere Bikes, radeln in das Waldstück um die Ecke und gehen Abenteuer erleben!
Oder, um es mit Goethe zu sagen:
„Willst du immer weiter schweifen?
Sieh, das Gute liegt so nah.
Lerne nur das Glück ergreifen,
Denn das Glück ist immer da.“


Bildquelle: http://jennyiberlin.blogspot.com

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Mein Roman auf der Frankfurter Buchmesse!

Noch bis Sonntag heißt es auf der Frankfurter Buchmesse wieder, die neuesten Bücher und Literatur in all ihren Formen und Farben zu feiern.
Mit dabei: Der Periplaneta Verlag & Mediengruppe.
Und im Gepäck: Mein dystopischer Roman „Die Gleichheit der Blinden“.
Infos zum Buch gibt es hier und hier.
Kaufen darf man es natürlich auch ;).

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Artikel auf Südwest European Outdoor Culture!

Der letzte Tag meiner Reise RIDE YOUR F*** BIKE! Von Nürnberg zum Nordkap in 30 Tagen auf

Südwest European Outdoor Culture!