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RIDE YOUR F**** BIKE! Von Nürnberg zum Nordkap in 30 Tagen – Once Upon A Selfie

Theoretisch der Klimax des modernen Narzissmus ist das Selfie für den Alleinreisenden notwendiges Gadget, um sich selbst in der Welt zu verorten. Und, schei** d´rauf, macht halt schon Spaß.
Auf meiner Tour RIDE YOUR F**** BIKE! Von Nürnberg zum Nordkap in 30 Tagen kamen da natürlich auch einige Selfies zusammen und bilden ein buntes Kaleidoskop meiner Reise ab, erzählen von Freud und Leid eines einsamen Fahrradreisenden.
Aber seht selbst…

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RIDE YOUR F**** BIKE! Von Nürnberg zum Nordkap in 30 Tagen. EPILOG: Was vom Tage übrig blieb

Das Rad ist im Keller verstaut, die Ausrüstung liegt nicht mehr verstreut und ungewaschen in der Wohnung verteilt. Die Überreste meines Abenteuers RIDE YOUR F**** BIKE! Von Nürnberg zum Nordkap in 30 Tagen sind soweit aufgeräumt, die häusliche Ordnung hat sie wieder. Und mich der Alltag. Eben noch die Einsamkeit, nun zurück in der Geschäftigkeit der Stadt. Im Trott des Tagein-Tagaus. Viele Fragen wurden und werden mir gestellt: Wie war es? Was waren die besten Momente, was die schlechtesten? Wie stand es um deine Ausrüstung – Hast du etwas vermisst, was war obsolet? Wie ist es, wieder zurück zu sein? Auf viele Fragen versuche ich gerade erst selbst, die Antwort zu finden. Auf andere Fragen gibt es vielleicht gar keine. Und wieder andere – etwa die nach der Ausrüstung – sind leicht zu beantworten (Nein, lautet die Antwort, ich habe nichts vermisst).

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Auf der Heimfahrt vom Nordkap nach Nürnberg

Aber die Frage, die mich am meisten umtreibt, nun, nachdem ich seit zwölf Tagen nicht mehr auf der Straße gen Norden radle, ist die: Was bleibt nun eigentlich übrig? Was ist es, das bleibt von dieser Reise, dieser Erfahrung? Ich bezweifle, dass sich mir die Antwort auf diese Frage nach zwölf Tagen bereits erschließt. Wirkliche Veränderungen geschehen auf schleichende, fast heimliche Art und Weise. Da hat Inception durchaus Recht. Jede Veränderung beginnt mit dem Saatkorn einer Idee, die ganz tief innen Wurzeln schlägt. Als ich ein Kind war, konnte ich in der Nacht vor meinem Geburtstag nie schlafen, weil ich der Überzeugung war, um Punkt Mitternacht und eine Minute, wenn ich mein neues Lebensjahr erreichte, würde sich alles ändern. Würde ich mich ändern. Wie eine Raupe, die mit einem Schlag zum Schmetterling wird. Ein ganz neues Lebensgefühl träte ein und ich wäre von einem Moment auf den anderen weise und gänzlich anders als davor. Ich war jedes Mal enttäuscht, wenn nichts geschah. Erst viel später begriff ich, dass es die Brüche, Beschwernisse, Hürden, Niederlagen und Triumphe dazwischen sind, die uns ändern. Und auch diese nicht sofort. Sondern langsam, schleichend, nach und nach. Wenn wir Zeit hatten, das Erlebte zu reflektieren. Wenn bislang fremde Erfahrungen die Gelegenheit hatten, sich in unserem Kopf festzusetzen und neue Blickwinkel zu eröffnen.
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Neue Blickwinkel eröffnen sich meist gemächlich.

Zwölf Tage sind also eigentlich zu kurz für ein Resümee, zu früh, um zu fragen, was denn übrig bleibt von all dem.
Zweierlei weiß ich aber zweifelsfrei:
Zum einen der Appell:
Wer auch immer nur ansatzweise die Möglichkeit hat, eine Radreise zum Nordkap zu unternehmen – an den appelliere ich inständig, dies zu tun! Auch die Strecke durch Deutschland (in meinem Fall durch den Thüringer Wald und den Südharz bis Rostock) lohnt – vor allem im Frühjahr, wenn die Rapsfelder blühen und man oben auf den Hügelkuppen zwischen den riesigen Windrädern ins weite Land sieht und den Sommer schon riechen kann.
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Der Weg durch Schweden ist ein einziges Lehrstück. Über zwei Wochen Wald bis zur finnischen Ebene. Erreicht man eine Anhöhe und blickt ins Land ist da nur Wald. Wald in allen Richtungen. Bis zum Horizont und kein Ende in Sicht. Manchmal hat man das Gefühl, kaum mehr atmen zu können, weil dieser Wald kein Ende nimmt, außer wenn einer der schwarzblauen Seen eine Lichtung aus Wasser in das Grünbraun der Tannen schlägt. Manchmal wiederum hat man das Gefühl, noch nie so gut geatmet zu haben. Der Weg durch die schwedischen Wälder schwankt zwischen Klaustrophobie und absoluter Freiheit.
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Klaustrophobie…

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…Und Freiheit

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Lichtungen…

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…aus Wasser.

Jenseits des Polarkreises, der finnischen und schließlich der norwegischen Grenze ist das Land karg, die Birken hager und schließlich ganz fort und die Ebenen – zumindest bis in den Juni hinein – voll mit altem Schnee und Eis.
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Am Polarkreis

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Finnische Grenze

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Norwegische Grenze

Hier weht der Wind immer und stürmisch. Hier wird der Weg so hart und einsam wie das Land selbst.
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Hier weht der Wind immer und stürmisch.

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Spätestens hier beginnt die Herausforderung. Wind, Höhenmeter, Kälte und Witterung stellen sich einem in den Weg, als wollten sie den Willen des Reisenden prüfen. Unwillkürlich musste ich an Michael Endes Die Unendliche Geschichte denken und an die drei Tore, die durchquert werden müssen auf dem Weg zur Rettung der Welt Phantásiens:

Auf Atréjus Frage: »Und was hat es mit diesem dritten Tor auf sich?«, antwortete Engywuck:
»Hier wird die Sache überhaupt erst richtig schwierig! Das Ohne Schlüssel Tor ist nämlich zu. Einfach zu. Punktum! Da gibt’s keine Klinke und keinen Knauf und kein Schlüsselloch, nichts! Nach meiner Theorie besteht der einzige Türflügel, der fugenlos schließt, aus phantasischem Selen. Du weißt vielleicht, dass es nichts gibt, womit man phantasisches Selen zerstören, verbiegen oder auflösen kann. Ist absolut unzerstörbar.«
»Also kann man überhaupt nicht durch dieses Tor?«
»Langsam, langsam, mein Junge! Es sind ja Leute hineingekommen und haben mit der Uyulála gesprochen, nicht wahr? Also kann man die Tür öffnen.«
»Aber wie?«
»Hör zu: Phantasisches Selen reagiert nämlich auf unseren Willen. Gerade unser Wille ist es, der es so unnachgiebig macht. Je mehr einer hineinwill, desto fester schließt die Tür. Aber wenn es einer fertig bringt, jede Absicht zu vergessen und gar nichts zu wollen – vor dem öffnet sich die Tür ganz von selbst.«
Atréju senkte den Blick und sagte leise: »Wenn das wahr ist – wie soll es mir dann möglich sein, hindurchzukommen? Wie könnte ich es nicht wollen?«

Es liegt eine Menge Weisheit darin, dass die höchste Stufe des Willens darin besteht, vom Willen selbst abzulassen. Wer zu sehr will, der verkrampft auch schnell. Der setzt sich so sehr selbst unter Druck, dass er handlungsunfähig wird. Natürlich, ich muss es wollen, um es schaffen zu können. Aber ich muss es wollen und trotzdem frei in meinem Wollen bleiben.
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Wer schließlich ankommt, nach 3000 und x Kilometern, oben an der letzten Kuppe, hinter der nur noch der Arktische Ozean liegt, der weiß ganz sicher, dass es sich gelohnt hat.

Es ist nicht nur die Landschaft, diese von Horizont zu Horizont gefasste geballte Einsamkeit, die uns viel über uns selbst erzählt. Es ist nicht nur die Straße, die endlose E45, die sich schnurgerade durchs Land zieht und unsere Nerven auf die Probe stellt. Es ist nicht nur der Wind, der uns von der Straße fegt und uns die Tränen in die Augen treibt. Es ist nicht nur das Funkeln der unzähligen Seen, auf manchen noch Eisschollen, die wir passieren. Es ist nicht nur die plötzliche Wertschätzung der noch heruntergekommensten kleinen Hütte, die Wärme spendet, der geschmacklosesten Instant-Nudeln, die den Hunger stillen. Es ist nicht nur die Erinnerung daran, was eigentlich relevant ist. Und was nicht. Es ist all das und jenes Gefühl, nur diese eine Aufgabe zu haben – immer weiter in eine Richtung zu fahren, komme, was da wolle, die etwas in uns ändern wird. Nicht heute, nicht nach zwölf Tagen. Nicht von einem Moment auf den anderen, sondern langsam, schleichend, unmerklich. Bis wir feststellen, dass wir unruhig werden. Wieder unruhig. Dass wir uns fragen, wie es wohl hinter dem nächsten Horizont aussieht. Und hinter dem dahinter.
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Und genau hier die Warnung: Wer einmal losgefahren ist, der kommt nicht mehr zurück. Oder besser: Er kommt immer wieder zurück, aber er hinterlässt Spuren, Fragmente von sich selbst gewissermaßen, auf dem Weg, den er gegangen ist.

Die Welt ist voller Stücke von Herzen Reisender, die sie dort zurückgelassen haben.

Und die nächste Ortsausfahrt ist nur eine Frage der Zeit. Oder, wie Tolkien es treffend beschrieben hat: „Es ist eine gefährliche Sache, aus deiner Tür hinauszugehen. Du betrittst die Straße, und wenn du nicht auf deine Füße aufpasst, kann man nicht wissen, wohin sie dich betragen.“ Wir streichen einfach mal die Füße und ersetzen sie durch die Laufräder unserer Wahl.

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GAIN Magazin: Verkehrte Welt – Spiele gegen den Strom

Seit es Spiele gibt bestreiten wir epische Schlachten gegen Orkhorden oder Panzerbataillone, befreien Prinzessinnen und retten die Welt. Wieder und wieder und wieder. Dabei folgen die meisten Spiele klaren Regeln. In einem Fantasy-Rollenspiel gibt es Drachen, keine Raumschiffe. In einem Sci-Fi-Horror wiederum findet man kaum Goblins. Ein rundenbasiertes Strategie-Spiel funktioniert nach anderen Regeln als ein Ego-Shooter. Spiele stecken in engen Korsetts der Genreabhängigkeit und Massentauglichkeit. Geht es auch anders? Lässt sich mit Konventionen brechen? Und was würde das bedeuten? Wir machen uns auf die Suche nach Spielen gegen den Strom.

JETZT in #6 GAIN Magazin!

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RIDE YOUR F**** BIKE! INTERVIEW bei BR BAYERN plus

Von Bären, Ängsten und dem verflixten Kurz-Vor-Dem-Ziel: RIDE YOUR F**** BIKE! Von Nürnberg zum Nordkap in 30 Tagen zu Gast bei Petra Mentner auf BR BAYERN plus.

 

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RIDE YOUR F**** BIKE! bei velomondial.de

„A little bit crazy“
Passt wie angegossen, der Titel :)!
DANKE, lieber Stefan und Fabian von Velomondial, für ALLES! Ohne euer Know-How wäre ich wohl keinen Meter weit gekommen; hätte keinen Plug gehabt und keinen Lowrider, und vor allem hätte ich dann NOCH dickere Oberschenkel bekommen (passen ja jetzt schon in keine Jeans mehr), weil ich den SCHWALBE Marathon Plus – meine „Trainingsreifen“ XD einfach draufgelassen hätte! 🙂
DANKE für den Plug, Rat, Kaffee und viele schöne Unterhaltungen!
Ich sag´s mal leger: Ihr seid einfach SAUGEIL!

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RIDE YOUR F**** BIKE! bei wechsel-tents.de

„YESy, SHE F**** MADE IT!“
#besterkommentar zu meiner Ankunft am Nordkap!
DANKE an Wechsel Tents (Anne!!) und travel & trek für die – pardon my language – SAUGEILE mediale Begleitung und Zelt-Unterstützung!

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RIDE YOUR F**** BIKE! ZIELEPISODE auf stahlrahmen-bikes.de

Nach 30 Tagen, 3.400 km, 13.500 hm und einer ganzen Menge Rentierbegegnungen ist es endlich geschafft! Ich bin am Nordkap angekommen! Wie es mir dabei auf den letzten Metern erging, könnt ihr jetzt auch auf stahlrahmen-bikes.de nachlesen!
Lest selbst und diskutiert mit:
Die letzte EPISODE on the road von RIDE YOUR F**** BIKE! Von Nürnberg zum Nordkap in 30 Tagen in voller Länge auf stahlrahmen-bikes.de!
Wer die vorherigen Episoden verpasst hat…

Hier lang!

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Zu Gast bei BlätterRauschen

Am 13. Juni 2018 bin ich zu Gast bei BlätterRauschen  – Erlesene Buchtipps von und für Büchermenschen um 20:00 Uhr in der KulturKellerei Nürnberg.
Im Gepäck: Ein Buch, das mir gerade jetzt, da ich erst seit ein paar Tagen zurück bin von meiner bekloppten Radreise RIDE YOUR F**** BIKE! Von Nürnberg zum Nordkap in 30 Tagen, ganz besonders am Herzen liegt.
Welches das ist?

Kommt vorbei!

Für alle, die keine Zeit haben: Die Auflösung gibt es hier am 20. Juni 2018!

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LIVE INTERVIEW auf BR BAYERN plus

RIDE YOUR F**** BIKE! Von Nürnberg zum Nordkap in 30 Tagen ist am 07. Juni 2018 im Studo von BR BAYERN plus zu Gast.
Los geht´s um 9:30 Uhr.
Bis 10:00 Uhr geht es dann um Rentiere, Sturmböen, Zweifel, Mut und Elchsalami. Oder so ähnlich.

Hört selbst!


 

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RIDE YOUR F**** BIKE! Von Nürnberg zum Nordkap in 30 Tagen. EPISODE 15: AM ENDE DER WELT!

3.400 km. 13.500 Höhenmeter. Kein einziger Pausentag. Ganz allein. Von Nürnberg zum Nordkap. Und das alles in 30 Tagen. Am 1. Mai fuhr ich am Hauptmarkt Nürnberg los. Mit 35 kg Zuladung auf meinem unter seiner Last ächzenden Specialized AWOL Elite.

Heute, jetzt, genau 30 Tage später, stehe ich am Nordkap.
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Meine Achillessehne ist seit Tag 6 überreizt und macht das Laufen beschwerlich, die Knie sind die Dauerbelastung nicht gewohnt und begannen kurz danach zu protestieren. Ich habe einiges an Gewicht verloren, was bei mir ohnehin schon Strich-in-der-Landschaft-Persönchen eher problematisch ist und Handrücken und Wangen sind tiefbraun mit einem leichten Stich ins Erdig-Braune, welches wohl tatsächlich dreckbedingt ist. Die Satteltaschen sind abgerieben, mein Rad mehr grau als weiß und mit der wilden Sammlung an Plastiktüten (Ich habe gelernt, immer Notfallnahrung dabeizuhaben, da man sich in den Weiten Skandinaviens nicht auf die allgegenwärtige Existenz von Supermärkten verlassen kann), Socken (zum Trocknen) und einem grünkarierten Geschirrtuch (dito) auf seinem Heckträger wirke ich mehr wie ein Landstreicher als noch der schneidig-saubere Radreisende, als der ich so strahlend gestartet bin.
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Hier bin ich also nun. An einem Ende der Welt. 30 Tage lang bin ich der Straße gefolgt, immer nach Norden, immer weiter.
Habe mich durch die Windmühlenheere Deutschlands gekämpft im Gegenwind bis Rostock.
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Habe mich von Trelleborg aus wochenlang durch den endlosen Wald, der Schweden heißt, geschlagen.
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Um schließlich, nach einem kurzen (1 Tag) und surrealen Abstecher durch die finnische Weite, nach Norwegen zu gelangen.
Ich erinnere mich, als ich an Tag 2 in Erfurt war, wie weit entfernt von Zuhause es mir schien.
So weit geradelt!
Wie lächerlich das nun scheint. Ich erinnere mich, wie schwer mir die ersten paar Tage mit 110 und mehr Kilometer täglich gefallen sind. Wie müde und abgeschlagen ich war. Bis mein Körper irgendwo in Lappland wohl begriff, dass ich es ernst meinte. Dass ich nicht umdrehen werde, nicht aufgeben. Dass ich keine Pause machen würde. Irgendwann dann hat er es wohl aufgegeben. Es tat immer noch weh. Aber der Schmerz alltäglich, Gewohnheit. Wie ein guter alter Freund erinnerte er mich daran, dass mein Körper noch funktionierte, eben weil er schmerzte.
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Das Wetter meinte es gut. Viel Sonne, kaum Regen, steter Gegenwind, aber selten mehr als 25 oder 30 Kilometer lang von der schlimmen Sorte, die einem den Lenker verdreht und die Tränen in die Augen treibt. Das Wetter meinte es gut.
Bis kurz vor dem Ziel.
Auf der Hochebene hinter Alta begann die Kälte, Graupel, Sturmböen. Verkrustete Schneefelder überall und tote Birken, die wie gebrochene Fingerknöchel aus dem Morast staken.
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Und natürlich, wie konnte es anders sein, der letzte Tag war der schwerste. Es war fast, als würde der Weg meine Konstitution und – vor allem – meinen Willen noch ein letztes Mal auf die Probe stellen wollen. 130 km, über 1000 hm konstantes Hoch-Runter-Hoch, 6 Grad, Regen. Und Sturmböen. Aus Nordwest. So wie die Route verlief, genau frontal kommend. Dann 2 Grad. Kurz vorm Nordkap dann Schneefall.
Der Körper hält viel. Gutes Material ebenso. Das wirkliche, grundsätzliche und eigentlich Herausfordernde liegt ganz woanders. Im Geist. Die psychische Konstitution, nicht die physische, lässt uns letztlich ankommen. Oder umdrehen, abbrechen, aufgeben. Freilich, das richtige Material und ein durchschnittlich gesunder Körper sind wichtig. Aber es ist der Wille, der den Unterschied macht.
Das erste und einzige Mal, dass ich daran gezweifelt habe es zu schaffen, war 19 Kilometer vor dem Nordkap. 19 km vorher, in Schnee und mit brennendem Gesicht, nach 30 Tagen unter freiem Himmel und ohne Pause täglich auf dem Rad. 19 km vorher wisperte diese kleine Stimme: Halt an. Setz dich einfach hin. Hör auf. Schlaf.
Ich bin weitergefahren.
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Was will ich aber nun eigentlich hier? Was sollte sie, diese Reise? Selbstzweck? Sportlicher Ehrgeiz? Neugierde? Narzissmus? Die Antwort auf diese Frage kann nur jeder für sich selbst finden oder eher: Die richtige(n) Frage(n) kann nur der stellen, der sich selbst auf die Reise begibt. Egal, wohin. Egal, womit. Egal, ob allein oder mit anderen. Ich denke, das Menschsein konstituiert sich durch das Reisen. Auf Reisen sind wir gänzlich ungeschützt konfrontiert mit dem uns Unbekannten und Fremden. Und erst diese Schutzlosigkeit zwingt uns aus kognitiven und physischen Mustern heraus, die wir in unserem Alltag einstudiert haben, um uns sicher zu fühlen. Wir dürfen uns aber nicht sicher fühlen. Damit wir wachsen können.
Was will ich nun hier? Ich stehe am Nordkap und sehe auf das Meer und spüre ein letztes Mal den Wind beißend im Gesicht, der mir so lange wahlweise ein Feind schien – wenn er mir entgegenstand – oder ein Freund – wenn er mir den Rücken stärkte. Dieser Weg ist zu Ende. Meine Reise hat ihr Ziel gefunden.
Ich atme ein.
Aber als ich so stehe und in den Wind lausche, meine ich ein Wispern zu hören. Von fernen Horizonten und dem Unbekannten. Von einer Welt, die nur darauf erwartet, noch entdeckt zu werden. Von mir und meinem Rad. Und ich begreife, dass der Weg hier nicht endet. Dass er überhaupt kein Ende hat. Dass das Ende dieses Weges nur der Anfang eines anderen ist. Wir kommen nicht an, wir sind immer unterwegs, solange wir atmen.
Ich atme aus.
Wohin geht der Weg als nächstes?
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EPILOG: Was vom Tage übrig blieb