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Lametta-Glitter, Schmiedefeuer und See-Blicke – VGN Bahnsommer 2020

Bekanntermaßen beginnt ja kurz nach dem Sommer eigentlich schon die Vorweihnachtszeit. Kaum hat man den Bikini irgendwo in den Tiefen der Kommode verstaut, halten einem die Supermarktregale schon Lebkuchen, Zimtsterne und Domino-Steine unter die Nase. Spuren von Weihnachten gab es dann auch beim vierten und letzten Abenteuer im VGN Bahnsommer.

Aber von Anfang an.

Laubabenteuer und Sommer-Wehmut

Am 10. Oktober bei durchaus schon vorweihnachtlich frischen Temperaturen starteten wir in unser letztes VGN Bahnsommer-Mikroabenteuer in diesem Jahr. Diesmal wieder per Rad. „Industrie(rad)kultur Roth“ war das Thema. Und die Tour hielt, was sie versprach.

Per S-Bahn fuhren wir bequem von Nürnberg nach Roth, wurden hier von Jörg Ruckriegel vom Landkreis Roth in Empfang genommen – und radelten los. Hinein in das Ende des Sommers, das sich mit schweren Wolken, roten Nasen und wirbelnden Gold- und Kupferblättern unter den Reifen nun deutlich zeigte. Das könnte einen jetzt wehmütig machen, dem Sommer hinterherzutrauern.

Aber irgendwie hat es was, durch die kalte Landschaft zu radeln. Irgendwie lässt es sich freier atmen, leichter atmen als im drückenden Sommer mit Schweiß auf der Stirn. Der Herbst ist immer Umbruchszeit und riecht nach Veränderung, nach Wechsel, nach Alles-ist-im-Wandel. Nach nassem Laub, dem Versprechen von baldigem Frost und…und…Abenteuer. Abenteuer im Zwielicht nebliger Wälder und froststarrender Felder.

Schmiedefeuer & ein Reminder

So roch es, als wir in Allersberg losradelten. Und es roch, zumindest für meine Abenteurer-Nase, gut.

Die Industriekultur erwartete uns schon kurz darauf bei einer Museumsführung im Eisenhammer Eckersmühlen. Über fünf Generationen war der Eisenhammer im Besitz der Familie Schäff, einer Hammerschmiede-Dynastie. Johann Michael Schäff übernahm das Anwesen 1775 und brachte die Hammerschmiede über mehrere Generationen zu großem Wohlstand. Als die handwerklich arbeitende Schmiede mit der industriellen Massenproduktion der großen Fabriken aber nicht mehr mithalten konnte, war das das Ende der Dynastie. 1974 wurde der Betrieb eingestellt. Aber: Fritz Schäff setzte sich dafür ein, dass die Anlage betriebsbereit blieb und 1985 in ein Museum umgewandelt werden konnte.

Ein Kleinod regionaler Industriekultur, in der Schmiedekunst noch live erlebbar ist. Und auch wir staunten über die ausgeklügelte Mechanik der durch Wasserkraft und ein Netz von Transmissionsriemen betriebenen Hämmer. Ein längst untergegangenes Handwerk wird hier zum Leben erweckt. Und weigert sich so, endgültig in Vergessenheit zu geraten.

Ein Reminder für uns postmoderne Globalisten des immer-und-überall-zugänglichen Konsums, das eigentlich nichts Selbstverständlich ist. Und wieviel Arbeit zu anderer Zeit (oder, an anderen Orten, teils heute noch) in einem einzigen Hopfennagel steckt.

Burgruinen und Kopfsteinpflasterromantik

Durch mehr Herbst, über weite Felder und an Lichtungen entlang führt uns der Weg anschließend nach Hilpoltstein. Hier erwartete uns eine Führung im historischen Stadtkern, an der ehemaligen Burgmauer entlang über schief-rustikales Kopfsteinpflaster und vorbei an pittoresken Fassaden. Über uns ragt die Burgruine Hilpoltstein in den herbstlichen Himmel. Ab dem 11. Jahrhundert lässt sich die Burg in ihren Anfängen an dieser Stelle nachweisen. Im 13. und 14. Jahrhundert erlebte die Burg Hilpoltstein unter den Herren von Stein ihre Blütezeit. Die letzte Bewohnerin der Burg, Dorothea Maria, die Witwe des Pfalzgrafen Ottoheinrich II. von Neuburg-Sulzbach, verstarb 1639. Erst in den vergangenen Jahren wurde die Ruine archäologisch untersucht und saniert. 2013 wurde der mittelalterliche Zugang zur Burg wiedereröffnet. Historie auf kleinstem Raum – das ist Hilpoltstein.

Und: Feines Essen im Gasthof Zur Post. Das uns umso besser schmeckte, da es schön warm in unseren zu diesem Zeitpunkt doch ziemlich ausgefrorenen Bäuchen und Gliedern lag.

See-(Aus)blicke und Lametta-Geschichten

Die nächste Etappe führte uns dann schließlich an die Ufer des Rothsees. Nach einem kleinen Abstecher an die LBV Umweltstation Rothsee: Natur- und Umweltbildung, anschaulich und interaktiv erlebbar aufgearbeitet für Groß und Klein. Die Umweltstation ist ein Marker dafür, was es in der Region, so direkt vor unseren Nasen, alles an Flora, Fauna, Abenteuer und Naturschönheit zu erleben gibt.

Immer nach Norden pedalierten wir schließlich die letzte Etappe am Rothsee entlang. See-(Aus)blicke zum Natur-satt-werden. Und: Die Wolken waren hier weniger dicht, weniger düster, weniger fast-schon-winterlich. Golden schien uns der Herbst auf diesem letzten Stück unserer Tour nach Allersberg. Kupfergoldgelbrotbraunbunt das Laub um uns und zwischen den Bäumen der See. Ein letzter Blick auf den Sommer.

Denn: In der Gilardi-Ausstellung in Allersberg, unserem letzten Halt an diesem Tag, wurde das Thema Sommer dann endgültig abgehakt.

Lametta und sonstiger glitzerndglänzendkitschiger Weihnachtsschmuck wurde dort nämlich hergestellt. Angefangen hat alles mit leonischen Waren – also die verschiedenartigsten Produkte zu deren Herstellung man Drahtgeflechte aus feinstem Messingdraht brauchte. 1689 vom Mailänder Giacomo Gilardi gegründet war das Unternehmen bald eine der bedeutendsten leonischen Manufakturen und  handelte weltweit. Bis zur Insolvenz im Jahre 1892. 1894 übernahm die Familie Geiershoefer aus Nürnberg und sattelte auf Christbaumschmuck aus leonischen Drähten um. Während der Terrorherrschaft der Nationalsozialisten wurden die Geiershoefers, die jüdischer Abstammung waren, zwangsenteignet. Ein Teil der Familie rettete sich ins Exil und kehrte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wieder zurück und brachte das Unternehmen noch ein letztes Mal zu großem Erfolg – bis 2006 die endgültige Schließung erfolgte. Und die Gemeinde das Gebäude kaufte. 2018 eröffnete die Ausstellung in den Räumen der ehemaligen Fabrik. Und erinnert zwischen Glitter und Lametta an die bewegte Geschichte des einst so bedeutenden Unternehmens.

Guten Winterschlaf!

Mit diesem Ausblick auf die herannahende Winter- und Weihnachtszeit beendeten wir unser viertes und letztes Mikroabenteuer im VGN Bahnsommer 2020. Wir waren Wildkräuter-Genuss und Wein-Kulinarik im Weinparadies Franken auf der Spur, haben (Ge)Nüsse und Burgenblicke im Landkreis Fürth entdecken und Burgenwinkel und Sonnenuntergänge in den Haßbergen erleben dürfen und wir haben nun, zu guter Letzt, den Sommer, den wir gemeinsam verlängert haben, zusammen verabschiedet.

Bis zum nächsten Mal, lieber VGN Bahnsommer, guten Winterschlaf!

 

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Vom Abenteuer (S)schreiben – Mein Kurs im Bildungszentrum Nürnberg

Danke an die kreativen Teilnehmer*innen meines Kurses „Vom Abenteuer (S)schreiben“ und an das Bildungszentrum Nürnberg!

Wir haben uns gemeinsam auf Mikro-(Rad)Reise begeben, Kerouacs Rastlosigkeit und Ransmayrs inneren und äußeren Zielen des Reisens nachgespürt.

Und haben am Ende dann selbst kreativ geschrieben.

Oben in Kalchreuth haben wir den Drachen zugesehen und daraus wurde in meinem Lyrikergusskopf ein kleines Stück über die Freiheit. Oder so

! Übrigens: In Bälde bin ich zu Gast beim Podcast KontaktAufnahme des Bildungszentrums Nürnberg. Zu hören ab dem 29.10. unter www.bz.nuernberg.de/podcast und auf allen gängigen Podcatchern!

 

Dialog mit dem Drachen

 

Zwischen Laubhimmeln

steigt er, reißt er, zerrt er

erzählt dem Wind davon

wie gern er frei wär´

 

Und mir ist das Flattern im Wind

ein wenig wie mein Herz

Hat keinen Ort

und immer den Kopf in den Wolken.

 

Zwischen Herbsthorizonten

fällt er, sinkt er, bangt er

Jetzt stehen wir uns

Aug´ in Auge:

 

´Sag, Drache, was siehst du?`

´Den Himmel so weit`

´Und dahinter?`

´Die Welt und die Einsamkeit`

 

´Sag, Drache, was wünschst du?`

´Frei fliegen wär´ schön

Dann würd´ ich die Meere und Ozeane sehen.

Und würde reisen bis mein Augenlid bricht

und bereute doch keinen Augenblick nicht.`

 

´Sag, Drache, und wünschst du´s wirklich so sehr

dann halt´ ich dich niemals und nimmermehr`

sprach ich

und.

ließ.

los.

 

Zwischen Waldweiten

über die Wipfel, die Hügel, die Felder, das Land

fliegt er

fliegt er

fliegt er

´Grüß´ mir, Drache, die Welt und die Einsamkeit`

 

Das Flattern im Wind jetzt

ist nur noch mein Herz.

 

 

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Geschichte und GeNÜSSE im Landkreis Fürth – VGN Bahnsommer 2020

Nach dem nasskühlen Hardcore-Abenteuer-Start bei der ersten Gewinnspieltour im VGN Bahnsommer 2020 meinte es der Wettergott am vergangenen Wochenende bei der „Hohenzollern History-Tour“ (3. Oktober 2020) gut mit uns.

Mit dem Zug geht es vom Nürnberger Hauptbahnhof zunächst nach Cadolzburg und von dort mit dem Rufbus noch ein paar Kilometer weiter nach Gonnersdorf. Hier warten auf die GewinnspielteilnehmerInnen schon Christina Engl vom Landkreis Fürth und den zwei History-Experten Herr Hauschild und Herr Dr. Liebert.

Und: Die Sonne! Und eine milde Föhnlage! Der VGN Bahnsommer 2020 – Wir verlängern den Sommer für Dich. Tatsache an diesem Tag!

GeNÜSSE auf Frankenart

In medias res geht es dann gleich hinein in den GeNUSS.

Namentlich bei FrankenGENUSS GmbH & Co.KG – Feinste Haselnüsse aus dem Frankenland. Das Familienunternehmen wird von Martin Stiegler geführt und hat seinen Sitz im beschaulichen Gonnersdorf bei Cadolzburg. Martin höchstpersönlich begrüßt uns herzlich im Hofladen. Inmitten von selbstgemachtem Hasselnuss-Geist, Haselnuss-Cantuccini, Haselnuss-Salz und natürlich der geNÜSSLICH-leckeren und überregional begehrten Nuss-Nougat-Creme erzählt er uns nicht nur von Höhen und Tiefen der Unternehmensgeschichte, sondern plaudert auch aus dem Nähkästchen (Ursprünglich wollte er eigentlich mal Fußball-Profispieler werden 😊, ist dann aber quasi auf die Nuss gekommen).

Regional, nachhaltig – GeNUSS pur. Auf der nahegelegenen Haselnuss-Plantage lernen wir sogar noch Fritz Stiegler himself kennen, der auch wegen seiner Musicals bekannt ist.

Die unverschämte Leichtigkeit des Seins

Über grünsanfte Wiesenhügel und durch schattige Wälder geht es weiter Richtung Cadolzburg.

Von Westen kommend bekommen wir die wohl schönste Aussicht auf die Burg Cadolzburg serviert.

Ein Fotomotiv wie aus der Ansichtskarte geschnitten: Grasende Kühe auf dem sanft abfallenden Hang im Vordergrund, der unten an tannengrünem Waldrand mit glitzerndem Bachlauf endet. Im Hintergrund in strahlendem Sonnenschein die imposante Burg, eingerahmt von blauweiß-bayerischem Himmel. Das Ganze ist so unverschämt pittoresk, dass es fast schon kitschig wirkt.

Fast.

Eigentlich ist es einer dieser eher seltenen Momente, in denen alles einfach passt.

In denen einem das Leben die Sonne großzügig auf den Bauch scheinen lässt. Langsam laufen wir in das Bildmotiv hinein, die Sonne warm über uns. Auch das ist das Abenteuer denke ich. Nach dem Durch- und Aushalten letzte Woche in Wind und Wetter, dem Weitergehen und schließlich dem überraschenden Fund von plötzlicher Ausgeglichenheit eines Immer-Weiter ist es bei der zweiten Tour des VGN Bahnsommers 2020 nun das: Die unverschämte Leichtigkeit des Seins.

Auf den Spuren der Hohenzollern

Oben auf der Burg angekommen streifen wir den ErlebnisRadweg Hohenzollern und können per App – wie an vielen anderen Stellen mit Markern auf dieser Route – Historie via augmentierter Realität hautnah erleben. Die History-Experten erzählen uns außerdem allerlei Wissenswertes über die Hohenzollern-Dynastie. Eine imposante Geschichte von Aufstieg und Fall.

Nach einer kurzen Verschnaufpause und einem Abstecher in den trotz fortgeschrittener Jahreszeit noch immer buntblühenden Burggarten wandern wir Richtung Ammerndorf weiter. Inzwischen hat uns der Föhn verlassen und dichte Wolken hängen schwer am Himmel.

Das laufe Lüftchen ist zum Sturmwind geworden und die Landschaft wirkt im düster werdenden Licht nicht mehr wie ein Ansichtskarten-Motiv, sondern beinahe schon wie die Wald- und Ebenenweiten einer Wildnis. Der Wind beißt in den Wangen und die Stimmung ist vom lieblichen Leichtigkeits-Abenteuer umgeschlagen zum rauen Gegen-den-Wind-stemmen. Gerade recht, dass wir in Ammerndorf beim lokalen Italiener pasta- und wein-warme Zuflucht finden. Nach dem Mittagessen wagen wir uns trotzdem wieder hinaus und wandern die letzte Etappe nach Roßtal.

Jahreswechsel in klein

Auf dieser Tour erleben wir Jahreszeiten wie im Zeitraffer. Sind wir früh bei frühlingshaften Temperaturen losgewandert, mittags in sommerlich-heißer Föhnlage weiterspaziert, ist mittlerweile der Herbst endgültig über uns hereingebrochen und man kann fast schon den Winter riechen.

Dunkel hängen die Wolken über den Rapsfeldern und die Farbpalette um uns hat sich – wie der Wind – merklich abgekühlt. Es ist ein bisschen, wie einen Jahreswechsel in Kleinem zu erleben. Abenteuerlich auf jeden Fall.

Bei einsetzendem Regen erreichen wir schließlich Roßtal und den letzten History-Stopp unserer Tour: Die Kirche St. Laurentius, die in Teilen bis auf das 11. Jahrhundert zurückreicht. Inmitten historischer Mauern beschließen wir die heutige Bahnsommer-Tour und fahren mit der S-Bahn im wohlig-Trockenen zurück nach Nürnberg.

Viel erlebt haben wir allemal: Wir haben nicht nur einiges über den Wandel der (historischen) Zeiten am Beispiel der Hohenzollern-Geschichte erfahren, sondern auch einen ganz anderen Wandel hautnah erlebt: Den Wandel des Wetters, der Stimmungen in der Luft und der Wolken am Horizont. Und natürlich: GeNÜSSE, soweit der Magen reicht.

Wandel und Vielfalt ist definitiv das Abenteuer-Thema dieser Tour. Alles ist im Fluss. Die Heraklitische Weisheit ist sicher eine, die dem Abenteurer steter Begleiter ist. Und die auch bei Mikroabenteuern wie dem unseren eindrücklich direkt vor der Haustüre erlebt werden kann. Man muss sich nur trauen, das Haus zu verlassen.

➡️Alle Infos unter https://www.vgn.de/vgn_bahnsommer/

 

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Die Wahrheit im Wein & Die Weisheit der Kräuter – VGN Bahnsommer 2020

Abenteuer(n) ist auch immer die Suche nach Wahrheit. Rausgehen und Abenteuer erleben ist eine genuin authentische Erfahrung. Eine offene Begegnung mit der Realität in all ihrer Unbekanntheit, ihrem Unvorhergesehenen. Und bekanntlich liegt ja im vino die veritas. Im Wein liegt sie also, die Wahrheit. Die erste Gewinnspieltour „Kräuter, Wein, Wandern im Weinparadies“ hat uns also direkt in medias res hineingeworfen in die (flüssige) Abenteuer-Essenz. Denn: Zweifelsohne drehte sich alles bei dieser Auftakttour rund um den vergorenen Traubensaft. Oder fast alles. Ergänzt wurde die Wahrheit im Wein mit der Weisheit der Kräuter.

Aber von Anfang an.

Auf historischen Spuren – Die Hüttenheimer Kirchenburg

Acht mutige Wagnis-und-Wein-suchende GewinnspielteilnehmerInnen machen sich am Morgen des 26. Septembers am Nürnberger Hauptbahnhof auf gen Paradies. Weinparadies Franken, genauer gesagt. Mit dem Regionalexpress und anschließend per Freizeitlinie Bocksbeutelexpress geht es in den lauschigen Weinort Hüttenheim. Hier erwarten uns Kerstin Kloha vom Weinparadies Franken, die amtierende Weinprinzessin und Gästeführerin Linda Schatz. Nach der Begrüßung geht es gleich hinein in die erste – historische – Abenteuer-Exkursion: In die Hüttenheimer Kirchenburg.

Teile der Kirchenburganlage datieren zurück bis auf die Jahre um 1300. Die Anlage gilt als einer der besterhaltenen Kirchenburgen in ganz Franken. Bemerkenswert ist die teils bis zu fünf Meter hohe Mauer, die das Gelände einfasst und fast vollständig erhalten ist. Ursprünglich wurde der heimische Gipsstein hier als Baumaterial genutzt. Die typischen Schichten und Maserungen sind am besten bei einem Rundgang um die Kirchenburgmauer zu begutachten. Pittoresk mittelalterlich (und definitiv instagramable!) sind außerdem die Gaden im Innenhof.

Gaden – damals und heute

Gaden? So nennt man die Lagerräume, die oft an die Außenmauern von Kirchenburgen an der Innenseite hinzugefügt wurden. Hier wurden Erntevorräte sicher aufbewahrt: In Friedenszeiten nur im Notfall. In Kriegszeiten ständig. Damals. Und heute? Werden die Gaden beim jährlich stattfindenden Hüttenheimer Kirchenburgweinfest als Notfallplan anderer Art genutzt: Sollten die WeinfestbesucherInnen nämlich vom Regen überrascht werden, ist das kein Problem: Flugs zieht man sich in die Gemütlichkeit und den Schutz der Gaden zurück – und das Feiern kann weitergehen.

Ein Kirchenburgwein

Schließlich betreten wir die Kirche selbst. Festlich geschmückt fürs Erntedankfest mit Kürbissen, Getreidekronen und Feldfrüchten lässt sich hier der Herbst schon riechen. Der Wind, der außen leichten Graupelschauer durch den Kirchhof fegt, kündet vom nahenden Ende des Sommers. Uns hier drin in der kleinen, wohligen Kirche kümmert das wenig. Wir bekommen nämlich ein Gläschen feinen Paradies-Wein in die Hand gedrückt und stoßen erst einmal an: Auf die heutige Tour, auf den VGN Bahnsommer, aufs Abenteuer, aufs einfach Hier-Sein-und-Sein-Dürfen.

200 Jahre Radl-History

Vor dem Mittagessen machen wir einen Abstecher ins Hüttenheimer Fahrradmuseum. 200 Jahre Fahrradgeschichte. Und das in einer einzelnen großen Scheune auf zwei Stockwerken. Geballte Radl-History. Sammlerstücke, skurrile Velo-Erfindungen, tausendundein Fahrradzubehör-Stücke von alten Bremshebeln über Antriebe bis hin zu historischen Rahmenplaketten. Das Hüttenheimer Fahrradmuseum ist für Rad-Enthusiasten der Herzinfarkt-vor-lauter-Begeisterung-Ort. Noch die letzte Ecke der Scheune ist vollgestopft mit Interessantem, Kafkaeskem und geschichtlich Wertvollem rund ums Fahrrad.

Reben im Regen

Im Landgasthof May wärmen wir uns zu Mittag ausgiebig von Innen mit Schäufele, Rehkeule, Kloß und Co. Nach dem Mittagessen beginnt das echte Abenteuer. Denn: Abenteuerlich ist es inzwischen geworden, das Wetter. Der Wind weht, die Kälte kriecht (in den Nacken), der Regen regiert. Aber – Der erste Satz des Abenteuer(ns): Abenteuer ist eine Frage der Perspektive. Klar, für manche ist das definitiv Drinbleib-Wetter. Nicht für uns. Wir ziehen los auf die Kräuterwanderung „Kräuter küsst Wein“ mit Kräuterführerin Stefanie Roßmark. Gerade hinein in Graupel, Wind und Wetter. Und ich zumindest merke, wie mir das Herz aufgeht. Denn (auch) das hier ist Natur. Ist Outdoor. Ist Draußen-vor-der-Tür. Wenn die Sonne eben nicht scheint und keine Vögel zwitschern. Wenn die Wolken tief hängen und der Wind an den Wangen zieht. Dieses rohe statt liebliche ist vielleicht sogar mehr Abenteuer als Sonnenschein auf Blumenwiesen. Es verlangt mehr. Es verlangt ein bisschen Unbequem-Aushalten. Und vielleicht sogar ein bisschen Mut. Die Währung des Abenteuers.

Die Weisheit der Kräuter

Etwas Mystisches hat die Kräuterwanderung an sich, an Weinstöcken entlang immer weiter bergan Richtung Tannenberg. Wir erfahren von der vielfältigen Kraft der Kräuter. Und Stefanie Roßmark scheint in ihrem mittelalterlich nachempfundenen Umhang und den Beeren im Haar wie die weise Kräuterfrau aus längst vergangenen Zeiten. Ihr Wissen ist schier unerschöpflich. Und so riechen, schmecken und kosten wir uns durch Wildkräuter am Wegesrand. Und mir wird bewusst, nicht zum letzten Mal an diesem Tag, wie unwissend, einfältig und hilflos ich im Angesicht der Natur(kunde) bin. Dass ich, so gesehen, eigentlich völlig unbedarft gegenüber dem Abenteuer bin. Sollte es mich wirklich ereilen in Form eines Auf-die-Wildnis-Angewiesenseins – es würde wohl rasch vom Abenteuer zur Katastrophe. Ich nehme mir fest vor, dies in Zukunft zu ändern. Mindestens mit einer weiteren Kräuterführung bei Stefanie. Oder mit etwas Radikalem? Einem Survival-Kurs?

Oben im Paradies

Während ich so über Käfer-Notfallmahlzeiten und Ringkämpfe mit Amur-Tigern in gottverlassenen Winkeln der Erde nachdenke, steigen wir immer weiter bergan. Nach einer kurzen Pause bei selbstgemachten Brennnessel-Chips und dampfendem Wildkräuter-Tee an einer Schutzhütte wärmen wir uns oben schließlich in der Weinparadiesscheune auf. Kaffee, Kuchen und natürlich auch ein Schlückchen Wein inmitten steiler Weinhänge mit Weitblick. Drinnen im Gastraum prasselt der Kamin. Das ist tatsächlich ein Stückchen Paradies. Und das mitten in Franken. Ab jetzt geht es nur noch bergab. Zwischen Weinreben hindurch hinab in den Weinort Seinsheim.

Wahrheiten im Gespräch

Unten am Ortsteich bewegt sich der Schilf leise im Wind. Die TeilnehmerIn neben mir und ich sinnieren darüber, dass es etwas Eigentümliches hat, das Wandern. Nach einer Zeit bewegen sich die Füße wie von ganz allein. Man gerät in einen Trott, eine Routine des Immer-Weiter-Laufens. Egal, ob Wind oder Wetter. Es läuft sich dann wie mechanisch. Und doch fühlt man sich so lebendig. Meditativ ist es in diesen Momenten, das Gehen. Ein Immer-Weiter, ein Immer-Voran Richtung Horizont. Man könnte weiterlaufen, bis die Welt endet. Und alle Sorgen rücken in die Distanz. Man ist ganz im Augenblick, regelrecht gefangen. Wandern wie im Traum. Und so laufen wir dahin, immer der Nase nach. Und ich denke, das hier ist eine Wahrheit des Abenteuers, eben im Gespräch gefunden. Das Wandern, das Draußen-Sein macht uns so eigentümlich zurück zu Menschen, zum Einfach-Sein. Jenseits von Alltag, Stress, Sorgen und allem anderem. Es lässt uns einfach sein. Es holt uns zurück.

La dolce vita im Trockenen

Das Ende unseres heutigen Abenteuers beschließen wir in der Vinothek des Weingutes Kernwein. Mit verschiedensten Weinen, kulinarischen Schmankerln und mehr Gesprächen über das Abenteuer, das Draußen-Sein. Und auch das Glück, manchmal in den richtigen Momenten drinnen sein zu dürfen. Draußen prasselt der Regen nun nämlich unablässig in der Dunkelheit. Uns Mikroabenteurern und Abenteurerinnen hier drin bei Vino und allgemeinem la dolce vita ist das nun aber herzlich egal! Und das Beste: Ein Sonderbus holt uns später am Abend ganz bequem direkt am Weingut ab und bringt uns bequem und trocken zurück zum Zug gen Nürnberg. Und wir sagen Auf Wiedersehen bis zum nächsten Abenteuer im VGN Bahnsommer!

 

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Besser spielen im Alter – Mein neuer Artikel auf GameStar PLUS

Präzision, Spielverständnis und Reaktionsgeschwindigkeit lassen nach? Mit diesen Expertentipps könnt ihr dem altersbedingten Einrosten beim Spielen entgegenwirken.

Mein neuer Artikel jetzt auf GameStar PLUS:

Besser spielen im Alter: Tipps gegen das Einrosten beim Spielen

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Lehre im Doppelpack

👩‍🏫Lehre im Doppelpack.
⭐️Gestern war ich zuerst als Trainerin wie jeden Dienstag für das Forschungsprojekt SiFAr (Sicheres Fahrradfahren im Alter) der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg unterwegs.
🔥Direkt im Anschluss startete dann mein Bike- & Schreibkurs „Vom Abenteuer (S)schreiben – Reiseliteratur und Mikroabenteuer“ am Bildungszentrum Nürnberg mit interessierten, interessanten und Draußen-und-Literatur-Begeisterten TeilnehmerInnen!
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⭐️Erlebe mit mir den VGN Bahnsommer 2020 – bei der Industrie(rad)kultur Roth!

Mach jetzt mit beim VGN Bahnsommer 2020 und gewinne eine von vier exklusiven Gewinnspieltouren!

Erlebe Abenteuer in Deiner Region und direkt vor Deiner Haustür. Und das mit mir als Bahnsommer-Guide und Immer-und-überhaupt-Ansprechpartner fürs Mikroabenteuer :)!

Die vierte und letzte Tour ist am 10. Oktober und und gibt Dir hoch zu Radl-Ross spannende Einblicke in die Industriekultur und die heimische Natur im Landkreis Roth!

„Industrie(rad)kultur Roth“

Auf dieser Tour erwartet Dich geballte Rother Geschichte. Und das alles bequem und, neben der Anfahrt mit dem VGN, gleich doppelt nachhaltig: per Drahtesel. Komm mit und tauche ein in Dein Kulturabenteuer im Land­kreis Roth! Neben exklusiven Museumsführungen im Eisenhammer Eckersmühlen, auf der Burgruine Hilpolstein und einer Besichtigung der Gilardi-Aus­stel­lung in Allersberg be­kommst Du hier auch Einblicke in unsere heimische Flora und Fauna – in der LBV Umweltsta­ti­on am Rothsee.

Highlights:

➡️ Erfahre mehr über die Industriekultur des Land­kreises Roth in exklusiven Führungen
➡️ Komm mit auf Ent­de­ckungs­rei­se in die heimische Natur in der LBV Umweltsta­ti­on am Rothsee
➡️ Industriekultur und Radeln macht Industrie(rad)kultur in diesem exklusiven Erlebnis!

Bewirb dich jetzt und gewinne diese Tour unter https://vgn.de/98db9083-1d18-aeae-384c-4cfbc3a66f68

Foto: VGN

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⭐️Erlebe mit mir den VGN Bahnsommer 2020 – bei der Burgenwinkel Gravel- und E-Bike-Tour!

Mach jetzt mit beim VGN Bahnsommer 2020 und gewinne eine von vier exklusiven Gewinnspieltouren!

Erlebe Abenteuer in Deiner Region und direkt vor Deiner Haustür. Und das mit mir als Bahnsommer-Guide und Immer-und-überhaupt-Ansprechpartner fürs Mikroabenteuer :)!

Die dritte Tour ist am 04. Oktober und und lässt Dich per Gravel- oder E-Bike die Burgenwinkel und Wiesentäler des Naturparks Haßberge erkunden!

Burgenwinkel Bike-Tour im Naturpark Haßberge

Rauf aufs Gravel- oder E-Bike und hinein in den Naturpark Haßberge. Diese von Naturpark Rangerin Katja Winter exklusiv geführte Bike-Tour führt durch bunte Mischwälder, weite Wiesentäler, his­to­rische Weinberge und Burgruinen quer durch die typische romantisch kleinteilige Landschaft der Haßberge. An der Nahtstelle zwischen Wein- und Bierfranken kannst Du beim Wirtshausbesuch Deinen leergeradelten Beinen neuen Saft geben. Schotterwege oder Naturpfade unter den Stollen, den Wind im Gesicht und Landschaften wie aus der Postkarte. Diese Bahnsommer-Tour lässt das Biker-Herz höher schlagen.

Highlights:

➡️ Erlebe den Naturpark Haßberge auf dem Gravel- oder E-Bike
➡️ Schwing dich in den Sattel auf dieser exklusiven Tour mit Naturpark Rangerin Katja Winter
➡️ Mit Führung in der Burgruine Altenstein

Bewirb dich jetzt und gewinne diese Tour unter https://vgn.de/9106f769-02b7-1c5f-d2f8-0054ff6e393b

📷 Naturpark Haßberge Tourismus / Florian Trykowski

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🔥Erlebe mit mir den VGN Bahnsommer 2020 – Auf der Hohenzollern History-Tour!

Mach jetzt mit beim VGN Bahnsommer 2020 und gewinne eine von vier exklusiven Gewinnspieltouren!

Erlebe Abenteuer in Deiner Region und direkt vor Deiner Haustür. Und das mit mir als Bahnsommer-Guide und Immer-und-überhaupt-Ansprechpartner fürs Mikroabenteuer :)!

Die zweite Tour ist am 03. Oktober und und nimmt Dich mit auf History-Tour auf Spuren der Hohenzollern im Landkreis Fürth!

„Hohenzollern History-Tour“

Franken – Wurzel der Macht? Zumindest, was die Dynastie der Hohenzollern angeht, auf jeden Fall! In dieser History-Wandertour begibst Du Dich auf die Spuren der Herrscherfamilie. Kulturwandern im Land­kreis Fürth. Geschichte hautnah erleben – mit dem besonderen Twist. Denn: Hier gibt es nicht nur feine Landschaften zu entdecken und, natürlich, die ein oder andere ku­li­na­rische Leckerei auf dem Weg zu entdecken, sondern auch eine ganze Menge Historie. Und das sogar per virtueller Realität. Auf der Route gibt es immer wieder High­lights wie die Erlebnisburg Cadolzburg, die Du via Augmented Reality mit der App „ErlebnisRadweg Hohenzollern“ erlebbar machen kannst. Die „Hohenzollern History-Tour“ im VGN Bahnsommer – mitten drin in der Geschichte!

Highlights:

➡️ Entdecke Geschichte hautnah mit ver­schie­denen AR-High­lights vor Ort
➡️ Begib dich auf Ent­de­ckungs­rei­se in die Geschichte der Hohenzollern
➡️ Genieße ku­li­na­rische Schmankerl u.a. bei einer Bierkostprobe

Bewirb dich jetzt und gewinne diese Tour unter https://vgn.de/c5d5481a-caab-844a-aef5-e1e368354b7a

Foto: VGN / Andrea Gaspar-Klein
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VGN Bahnsommer 2020 – Mach mit beim TagesTicket Plus Gewinnspiel!

Du möchtest in Dein ganz in­di­vi­du­elles Abenteuer starten? Dann kannst Du jetzt eines von 250 TageTicket Plus gewinnen, die dich bequem und nachhaltig in Dein Mikroabenteuer bringen!

Nennt uns einfach Deinen schönsten VGN Frei­zeit-Tipp und den Grund dafür, teile uns Deine Mail-Adres­se und Deinen Namen mit – und ab geht’s. Ab dem 10. Sep­tem­ber verlosen wir jeden Don­ners­tag 50 Tagesticket Plus. Das Gewinnspiel läuft bis zum 10. Ok­to­ber 2020. Du kannst natürlich mehrmals teilnehmen und so Deine Gewinnchance erhöhen.

Das Tolle am TagesTicket Plus? Abenteuer für alle! Denn: Mit dem TagesTicket Plus fahren 1-6 Per­so­nen, davon max. zwei älter als 18 Jahre durch das ge­samte Ver­bund­ge­biet. Wer eine Radtour macht, kann die Per­so­nen durch Fahr­räder ersetzen. Radltechnisch optimal ausgenutzt wird das Ticket, wenn zwei Per­so­nen über 18 Jahren mit ihren jeweiligen Rädern (macht vier besetzte Plätze) plus eine Per­son unter 18 Jahren mit ihrem Rad (macht sechs besetzte Plätze) ge­mein­sam fahren. Auch fein: Der Wochenend-Bonus: Wer das Ticket am Sams­tag kauft, fährt den ganzen Sonn­tag ohne Aufpreis dazu.

Mach jetzt mit beim Gewinnspiel!

Foto: VGN