Abenteuer(n) ist auch immer die Suche nach Wahrheit. Rausgehen und Abenteuer erleben ist eine genuin authentische Erfahrung. Eine offene Begegnung mit der Realität in all ihrer Unbekanntheit, ihrem Unvorhergesehenen. Und bekanntlich liegt ja im vino die veritas. Im Wein liegt sie also, die Wahrheit. Die erste Gewinnspieltour „Kräuter, Wein, Wandern im Weinparadies“ hat uns also direkt in medias res hineingeworfen in die (flüssige) Abenteuer-Essenz. Denn: Zweifelsohne drehte sich alles bei dieser Auftakttour rund um den vergorenen Traubensaft. Oder fast alles. Ergänzt wurde die Wahrheit im Wein mit der Weisheit der Kräuter.

Aber von Anfang an.

Auf historischen Spuren – Die Hüttenheimer Kirchenburg

Acht mutige Wagnis-und-Wein-suchende GewinnspielteilnehmerInnen machen sich am Morgen des 26. Septembers am Nürnberger Hauptbahnhof auf gen Paradies. Weinparadies Franken, genauer gesagt. Mit dem Regionalexpress und anschließend per Freizeitlinie Bocksbeutelexpress geht es in den lauschigen Weinort Hüttenheim. Hier erwarten uns Kerstin Kloha vom Weinparadies Franken, die amtierende Weinprinzessin und Gästeführerin Linda Schatz. Nach der Begrüßung geht es gleich hinein in die erste – historische – Abenteuer-Exkursion: In die Hüttenheimer Kirchenburg.

Teile der Kirchenburganlage datieren zurück bis auf die Jahre um 1300. Die Anlage gilt als einer der besterhaltenen Kirchenburgen in ganz Franken. Bemerkenswert ist die teils bis zu fünf Meter hohe Mauer, die das Gelände einfasst und fast vollständig erhalten ist. Ursprünglich wurde der heimische Gipsstein hier als Baumaterial genutzt. Die typischen Schichten und Maserungen sind am besten bei einem Rundgang um die Kirchenburgmauer zu begutachten. Pittoresk mittelalterlich (und definitiv instagramable!) sind außerdem die Gaden im Innenhof.

Gaden – damals und heute

Gaden? So nennt man die Lagerräume, die oft an die Außenmauern von Kirchenburgen an der Innenseite hinzugefügt wurden. Hier wurden Erntevorräte sicher aufbewahrt: In Friedenszeiten nur im Notfall. In Kriegszeiten ständig. Damals. Und heute? Werden die Gaden beim jährlich stattfindenden Hüttenheimer Kirchenburgweinfest als Notfallplan anderer Art genutzt: Sollten die WeinfestbesucherInnen nämlich vom Regen überrascht werden, ist das kein Problem: Flugs zieht man sich in die Gemütlichkeit und den Schutz der Gaden zurück – und das Feiern kann weitergehen.

Ein Kirchenburgwein

Schließlich betreten wir die Kirche selbst. Festlich geschmückt fürs Erntedankfest mit Kürbissen, Getreidekronen und Feldfrüchten lässt sich hier der Herbst schon riechen. Der Wind, der außen leichten Graupelschauer durch den Kirchhof fegt, kündet vom nahenden Ende des Sommers. Uns hier drin in der kleinen, wohligen Kirche kümmert das wenig. Wir bekommen nämlich ein Gläschen feinen Paradies-Wein in die Hand gedrückt und stoßen erst einmal an: Auf die heutige Tour, auf den VGN Bahnsommer, aufs Abenteuer, aufs einfach Hier-Sein-und-Sein-Dürfen.

200 Jahre Radl-History

Vor dem Mittagessen machen wir einen Abstecher ins Hüttenheimer Fahrradmuseum. 200 Jahre Fahrradgeschichte. Und das in einer einzelnen großen Scheune auf zwei Stockwerken. Geballte Radl-History. Sammlerstücke, skurrile Velo-Erfindungen, tausendundein Fahrradzubehör-Stücke von alten Bremshebeln über Antriebe bis hin zu historischen Rahmenplaketten. Das Hüttenheimer Fahrradmuseum ist für Rad-Enthusiasten der Herzinfarkt-vor-lauter-Begeisterung-Ort. Noch die letzte Ecke der Scheune ist vollgestopft mit Interessantem, Kafkaeskem und geschichtlich Wertvollem rund ums Fahrrad.

Reben im Regen

Im Landgasthof May wärmen wir uns zu Mittag ausgiebig von Innen mit Schäufele, Rehkeule, Kloß und Co. Nach dem Mittagessen beginnt das echte Abenteuer. Denn: Abenteuerlich ist es inzwischen geworden, das Wetter. Der Wind weht, die Kälte kriecht (in den Nacken), der Regen regiert. Aber – Der erste Satz des Abenteuer(ns): Abenteuer ist eine Frage der Perspektive. Klar, für manche ist das definitiv Drinbleib-Wetter. Nicht für uns. Wir ziehen los auf die Kräuterwanderung „Kräuter küsst Wein“ mit Kräuterführerin Stefanie Roßmark. Gerade hinein in Graupel, Wind und Wetter. Und ich zumindest merke, wie mir das Herz aufgeht. Denn (auch) das hier ist Natur. Ist Outdoor. Ist Draußen-vor-der-Tür. Wenn die Sonne eben nicht scheint und keine Vögel zwitschern. Wenn die Wolken tief hängen und der Wind an den Wangen zieht. Dieses rohe statt liebliche ist vielleicht sogar mehr Abenteuer als Sonnenschein auf Blumenwiesen. Es verlangt mehr. Es verlangt ein bisschen Unbequem-Aushalten. Und vielleicht sogar ein bisschen Mut. Die Währung des Abenteuers.

Die Weisheit der Kräuter

Etwas Mystisches hat die Kräuterwanderung an sich, an Weinstöcken entlang immer weiter bergan Richtung Tannenberg. Wir erfahren von der vielfältigen Kraft der Kräuter. Und Stefanie Roßmark scheint in ihrem mittelalterlich nachempfundenen Umhang und den Beeren im Haar wie die weise Kräuterfrau aus längst vergangenen Zeiten. Ihr Wissen ist schier unerschöpflich. Und so riechen, schmecken und kosten wir uns durch Wildkräuter am Wegesrand. Und mir wird bewusst, nicht zum letzten Mal an diesem Tag, wie unwissend, einfältig und hilflos ich im Angesicht der Natur(kunde) bin. Dass ich, so gesehen, eigentlich völlig unbedarft gegenüber dem Abenteuer bin. Sollte es mich wirklich ereilen in Form eines Auf-die-Wildnis-Angewiesenseins – es würde wohl rasch vom Abenteuer zur Katastrophe. Ich nehme mir fest vor, dies in Zukunft zu ändern. Mindestens mit einer weiteren Kräuterführung bei Stefanie. Oder mit etwas Radikalem? Einem Survival-Kurs?

Oben im Paradies

Während ich so über Käfer-Notfallmahlzeiten und Ringkämpfe mit Amur-Tigern in gottverlassenen Winkeln der Erde nachdenke, steigen wir immer weiter bergan. Nach einer kurzen Pause bei selbstgemachten Brennnessel-Chips und dampfendem Wildkräuter-Tee an einer Schutzhütte wärmen wir uns oben schließlich in der Weinparadiesscheune auf. Kaffee, Kuchen und natürlich auch ein Schlückchen Wein inmitten steiler Weinhänge mit Weitblick. Drinnen im Gastraum prasselt der Kamin. Das ist tatsächlich ein Stückchen Paradies. Und das mitten in Franken. Ab jetzt geht es nur noch bergab. Zwischen Weinreben hindurch hinab in den Weinort Seinsheim.

Wahrheiten im Gespräch

Unten am Ortsteich bewegt sich der Schilf leise im Wind. Die TeilnehmerIn neben mir und ich sinnieren darüber, dass es etwas Eigentümliches hat, das Wandern. Nach einer Zeit bewegen sich die Füße wie von ganz allein. Man gerät in einen Trott, eine Routine des Immer-Weiter-Laufens. Egal, ob Wind oder Wetter. Es läuft sich dann wie mechanisch. Und doch fühlt man sich so lebendig. Meditativ ist es in diesen Momenten, das Gehen. Ein Immer-Weiter, ein Immer-Voran Richtung Horizont. Man könnte weiterlaufen, bis die Welt endet. Und alle Sorgen rücken in die Distanz. Man ist ganz im Augenblick, regelrecht gefangen. Wandern wie im Traum. Und so laufen wir dahin, immer der Nase nach. Und ich denke, das hier ist eine Wahrheit des Abenteuers, eben im Gespräch gefunden. Das Wandern, das Draußen-Sein macht uns so eigentümlich zurück zu Menschen, zum Einfach-Sein. Jenseits von Alltag, Stress, Sorgen und allem anderem. Es lässt uns einfach sein. Es holt uns zurück.

La dolce vita im Trockenen

Das Ende unseres heutigen Abenteuers beschließen wir in der Vinothek des Weingutes Kernwein. Mit verschiedensten Weinen, kulinarischen Schmankerln und mehr Gesprächen über das Abenteuer, das Draußen-Sein. Und auch das Glück, manchmal in den richtigen Momenten drinnen sein zu dürfen. Draußen prasselt der Regen nun nämlich unablässig in der Dunkelheit. Uns Mikroabenteurern und Abenteurerinnen hier drin bei Vino und allgemeinem la dolce vita ist das nun aber herzlich egal! Und das Beste: Ein Sonderbus holt uns später am Abend ganz bequem direkt am Weingut ab und bringt uns bequem und trocken zurück zum Zug gen Nürnberg. Und wir sagen Auf Wiedersehen bis zum nächsten Abenteuer im VGN Bahnsommer!