Mit Hochdeutschland, Löwen wecken und Die Tagesordnung waren beim gestrigen BlätterRauschen in der Kulturkellerei Nürnberg gestern hochkarätige, gesellschaftskritische, beeindruckende und nachdenklich machende Bücher am Start.
Ich selbst habe Joshua Groß Der Trost von Telefonzellen vorgesellt – und, was soll ich sagen: Es war mir ein Fest dieses verrückte, verdammt lustige, verdammt traurige Buch ins Plenum zu werfen. Thompson, Kerouac, alle wären stolz!
Aber Klappe zu und lass das Buch sprechen. Meine Lieblingspassage (als die beiden Protagonisten auf einer verlassenen Baustelle des Nachts Tapeziertische für ihren Buchverkauf auf einem schwülen Parkplatz im Nirgendwo der fränkischen Provinz klauen):

Scheiß drauf, dachte ich. Das ist wenigstens mal ein Tag, der nicht die elende Kopie eines anderen ist. Das ist wenigstens mal eine Konfrontation mit dem, was man manchmal Leben nennt. Das ist wenigstens mal eine warme Nacht, in der ein Dichter einen Tapeziertisch klaut, ein intellektueller Vagabund, ein bescheuerter Doktor, Seite an Seite mit einem bekloppten Maler, ein kaputtes Herz, ein zerstörter Verstand, und tagsüber sieht alles so normal aus, man fährt durch Bayern, diesen lächerlichen Bundesstaat ohne Kulanz, und dann wackelt dieses orange Licht aus den Lampen und man ist verflucht traurig und jedes Lächeln schmerzt, aber man lächelt trotzdem, weil es schön ist und weil Buddha gesagt hat, dass Leben sowieso Schmerz bedeutet und weil zwei Kumpane immer noch einige Kisten voll Bücher im Auto haben und Brause und eine Mundharmonika und das Manuskript von Thelonious Bosch und eine guave-Kompilation und dann ist man sich fast sicher, dass man nicht immer so einsam ist, aber selbst wenn man einsam bleibt, hat man immer noch Freunde und eine Wasserpfeife und es gibt keinen Grund, nicht zu lächeln.
(Was man nicht alles auf 20 m denken kann, hm?)

Way to go, Joshua, du Hundesohn ;)!
Danke an die KulturKellerei für die Einladung und an Thomas Höreth für die Moderation!