Und das beschränkt sich längst nicht auf den aktuellen Skandal um die sexuellen Übergriffe bei Activision Blizzard, Ubisoft und Co.

In meinem neuen, zweiteiligen, Artikel über Sexismus in der Videospielbranche für die GameStar habe ich mit Frauen aus der ganzen Welt gesprochen. Wie ist es wirklich, in der Spielebranche als Frau zu arbeiten?

Die Antworten sind erschütternd.

Zeit, für eine Zäsur.

Zeit, all diesen Frauen endlich eine Stimme zu geben. Auch wir als Journalist*innen tragen hier Verantwortung. Es ist richtig und wichtig, dass sich die GameStar diesem Thema widmet.

Für mich war es wahrscheinlich der bislang belastendste Artikel. Auch, weil ich meine eigenen Erfahrung in vielen der Schilderungen meiner Gesprächspartnerinnen wiedergefunden habe.

Gerade, weil ich beruflich und im Ehrenamt in zwei traditionell männerdominierten Sparten – Games und Mountainbiken – unterwegs bin, kenne ich, leider, vieles davon.

Wenn ich gegen etwas argumentiert habe, hat man mir Emotionalität vorgeworfen.

Wo ich führte, warf man mir „Tyrannei“ und „Wolfsmutter“Gehabe vor.

Ich war wahlweise zu hart, zu männlich, zu „verbissen“ oder zu weich, zu „weibisch“.

Ich machte immer zu viel, aber irgendwie auch nie genug.

Männer drängten sich in dem Vordergrund mit dem Vorwurf, dass ich mich zu sehr in den Vordergrund drängen würde.

Erfahrungen, die marginalisieren, die sprachlos machen, weil sie einem die Stimme aberkennen, vorenthalten, gehört zu werden.

Ein Mann in führender Position des lokalen DAV Fürth sagte mir klipp und klar, dass er mich nicht anerkenne als Sprecherin in meinem Ehrenamt für die DIMB IG Nürnberg-Fürth. Obwohl ich gewählt war. Obwohl ich in dieser Position und Rolle agierte. Es gibt keinen gemeinsamen Nenner, wenn das Gegenüber Grundlegendes nicht anerkennt.

Das ist das eigentliche Problem: Der Boden potentieller gemeinsamer Inter-Aktion wird schlicht entzogen.

Als Frau ist man vieles: Aber sicher nie genug.

Ich habe erlebt, dass man dem übergriffigen Mann eher glaubte als mir und mich in Frage stellte.

Ich wurde im Club auf offener Tanzfläche mit Gewalt geküsst.

Ich wurde auf dem Weg mit dem Fahrrad zur Arbeit von einem Fremden mit Gewalt angehalten, der mir dann in den Schambereich gefasst hat.

Ich wurde in der U-Bahn am frühen Abend von zwei Männern belästigt – sie fassten mir an die Brust.

Belangt wurde nur ein einziger Fall. Ich hatte den Mann, der mich auf dem Fahrrad gestoppt hatte, geistesgegenwärtig dann noch verfolgt und das Kennzeichen notiert, als er davonfuhr. Die Polizei hat ihn dann wirklich gefunden, er hat gestanden.

Mir wurde nahegelegt, in einen Täter-Opfer-Ausgleich zu gehen, weil man sonst nicht viel tun könne. In dem Gespräch hat dann vor allem der Mann geredet und darüber geklagt, wie schlimm das für ihn und seine Familie war, als die Polizei vor der Tür stand. Ich habe danach 300 Euro bekommen. Die Quittung habe ich noch. Als ich aus dem Gericht draußen war habe ich gekotzt.

Es ist das allererste Mal, dass ich das so aufliste. Ich kam bislang nie drauf. Weil es immer irgendwie normal schien.

Normal, dass sowas passiert. So gut wie jede Frau in meinem Bekanntenkreis hat sowas zu erzählen. So ist das eben. Als Mann geht man abends nach der Kneipe im Dunkeln halt heim. Oder in die Arbeit – angstfrei. Oder engagiert sich im Verein – ohne Schmutzkampagnen ertragen zu müssen. Als Frau ist irgendwie alles anders.

Jetzt, wo ich selbst Mutter bin scheint mir das grotesk. Ich will, dass es anders ist.

Und ihr?