Nach meinem Unfall 2018 mit schwerer Tibiakopftrümmerfraktur, 50+ Trümmern im Bein und Kompartment-Komplikation, die mir beinahe das Bein gekostet hat, bin ich nun meine Cyborg-Anteile endlich wieder los. So weit. So gut.
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Der Unfall kam 2018 nur kaum einen Monat, nachdem ich die 3.200 km von Nürnberg zum Nordkap allein in 30 Tagen geradelt war. Der Kontrast hätte extremer nicht sein können.

Erst 30 Tage im Sattel, jeden Tag draußen, nachts im Zelt, immer den Horizont im Blick – der gefühlte Superlativ von Freiheit.

Und dann mit zerschmettertem Bein 30 Tage im Krankenhaus. 3 OPs, die ersten zwei Wochen nur auf dem Rücken liegend ans Bett gefesselt. Der immergleiche Blick aus dem immergleichen Fenster.

So sehr war ich der Welt anteilig während meiner Radreise zum Nordkap davor. So sehr gefühlt mitten in ihr. Um dann jäh an ihrem Rand zu hängen. Bewegungslos. Der Horizont nur die ferne Idee eines Draußen, das mit jedem Tag des Schmerzes unmöglicher schien.

Nach Entlassung dann der Rollstuhl. Irgendwann die Krücken. Laufen lernen. Und gleichzeitig zu wissen und jeden Tag erinnert zu werden, dass laufen, rennen, springen, nicht mehr gehen wird.

Aber das Radfahren. Das blieb. Und wurde zu einer Prothese. Wenn es nicht davor schon eine war. Das Radfahren, egal ob Mountainbike, Reiserad, Rennrad, hat mich immer schon ganz gemacht, wo ich zerrissen war.
Es war schmerzhaft, dann wurde es besser und das Rad unter mir wurde zu den Beinen, die nicht mehr so können, wie mein springendes Herz gerne möchte. Geschwindigkeit, Spiel, Freiheit. Mein Rad trägt mich und ist mehr zu einem Teil meines Körpers geworden, als es ansonsten vielleicht jemals der Fall gewesen wäre.

In diesem Frühjahr möchte ich auf meine nächste große Tour radeln. Aber diesmal in die umgekehrte Richtung. Diesmal will ich nachhause kommen. Ich werde in Gibraltar losradeln und 20 Tage später in Nürnberg ankommen wollen. Ob das Bein das schafft, sehe ich dann. Es geht nicht mehr so sehr um ambitionierte Ziele.

Es geht um den Horizont.