Anspruchsvoller Game Journalismus, der sich saubere Argumentation und kritische Reflexion über Spiele und Spielethemen auf die Fahne geschrieben hat – das ist spielkritik.com.
Sylvio Konkol, Initiator und Gründer der Plattform, und sein Team trauen sich an die schwierigen und manchmal auch schmerzhaften Themen – immer der Doktrin des wissenschaftlichen Arbeitens folgend. In Zusammenarbeit mit verschiedensten GasautorInnen kommen dann Artikel heraus wie: Die Nonverbalität von Spielen, Krieg der Rubriken – Spielejournalismus und Deutschland und auch ich durfte bereits zwei Artikel beitragen: Und wer denkt an die Kinder? – Kinderdarstellungen in Spielen sowie Größe ist nicht alles. Die Open World und ihre Problematik.
Mit dem nun bereits in die dritte Runde gehenden Format slowtalk wird in Zeiten der Schlagwort-Talkshows und Minutenbremsen in Diskussionen ein Gegenzeichen gesetzt. Vier Teilnehmer diskutieren mindestens eine Woche lang über ein spielerelevantes Thema. Der Vorteil dieser Rückkehr zur Erfindung der Langsamkeit liegt nahe: Die eigene Argumentation kann sauber durchdacht und entsprechend fundiert formuliert werden und die der Gesprächspartner gründlich durchleuchtet werden. Wir reflektieren mehr, wenn wir uns nicht einfach nur im Live-Ticker-Sekundentakt Halbwahrheiten um die Ohren werfen – der medialen Aufmerksamkeit wegen.
Diesmal bin ich zu Gast bei slowtalk im Juli.
Los geht es jede Minute! Das Thema wird kontrovers!
Seid mit dabei!
Auf spielkritik.com.
Kategorie: TEXTE / GAMING
GAIN Magazin – Here I come!
GAIN Magazin – Das unabhängige Spielemagazin. Als Kulturgut, das längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist (auch wenn einige meist rechtskonservative Stimmen immer wieder die Ballerspiel-Diskussion aus dem Archiv der Vorwissenschaftlichkeit herausklauben ;), wollen Spiele entsprechend beleuchtet und diskutiert werden.
Das macht das GAIN Magazin. „Wir wollen einen sauberen, gründlichen und kritischen Journalismus gewährleisten“. Das will ich auch. Und deshalb ist es mir eine große Freude und Ehre, zukünftig beim GAIN Magazin in der Redaktion mitwirken zu dürfen.
DANKE und Play on ;)!
Zu Gast bei BlätterRauschen
Am 13. Juni 2018 bin ich zu Gast bei BlätterRauschen – Erlesene Buchtipps von und für Büchermenschen um 20:00 Uhr in der KulturKellerei Nürnberg.
Im Gepäck: Ein Buch, das mir gerade jetzt, da ich erst seit ein paar Tagen zurück bin von meiner bekloppten Radreise RIDE YOUR F**** BIKE! Von Nürnberg zum Nordkap in 30 Tagen, ganz besonders am Herzen liegt.
Welches das ist?
Kommt vorbei!
Für alle, die keine Zeit haben: Die Auflösung gibt es hier am 20. Juni 2018!
TEASER: Die Gleichheit der Blinden
Ein dystopischer Roman über Unterdrückung, die (wortwörtliche!) Macht der Fantasie und den Umsturz zweier Welten. Oh, und natürlich über sprechende Ratten, Riesenameisen und wandernde Berge. Und über die LIEBE. Natürlich. Es geht immer um die Liebe, nicht wahr?
Erscheint im März 2018 in Periplaneta Verlag & Mediengruppe
Alle Infos hier und auf www.periplaneta.com
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Equality of the Blind – A dystopian novel about repression, the (literal!) power of fantasy and the overthrow of two parallel worlds. Oh, and about talking rats and giant ants and shifting mountains, of course. And LOVE. As it always is about love, isn’t it?
To be released in March 2018 in Periplaneta Verlag & Mediengruppe
For news and more click here or visit www.periplaneta.com
orte.ohne.smartphone: DIE KAPELLE
Immergleiche Erzählstruktur, einfache Sprache, schwarz-weiß-Mentalität: Aus literarischer Sicht betrachtet ist der Heftroman Trivialliteratur. Aber die Auflagenzahlen sind nach wie vor beeindruckend, die Leserschaft hält sich – und das seit Jahrzehnten. Was ist es, das uns fasziniert am „Groschenroman“ und wie hat sich dieser über die Zeit eigentlich verändert?
HeldIn besteht Abenteuer vor Kulisse x, am Ende wird der Konflikt aufgelöst und die Ordnung der „heilen Welt“ wiederhergestellt. Das ist die narrative Formel der Heftromane oder „Groschenromane“. Variationen erfährt das Genre nur im Bereich der wechselnden Kulissen – die Geschichten spielen vor heimatlich überhöhtem Alpenpanorama („Der Bergdoktor“) ebenso wie im Weltall („Perry Rhodan“). Die Erzählstruktur dagegen folgt strengen Regeln: Nach diversen ausgetragenen Konflikten und bestandenen Abenteuern ist ein Happy End sicher: And they lived happily ever after. Den Geschichten liegen dabei eindeutige binäre Moralzuordnungen zugrunde: Die „Guten“ und die „Bösen“ sind klar verteilt und gekennzeichnet und am Ende siegt stets das Gute. Formen und Inhalte werden bewusst reproduziert und kaum variiert, auch weil Originalität für die Verlage ein potentielles Risiko darstellt. Vor allem aber, weil die Leser die schöne, heile Welt der Heftromane eben ihrer Kontinuität und Vorhersehbarkeit wegen schätzen.
Vormoderne Flüsterpost
Die Ursprünge des Heftromans lassen sich bis in das ausgehende 15. Jahrhundert zurückverfolgen. In den sogenannten „Volksbüchern“ werden vor allem Märchen und Sagen auf billigem, löschblattartigem Papier abgedruckt und für wenig Geld auf Jahrmärkten verkauft. Die Ursprünge der Gattung liegen im Einblattdruck von Übersetzungen italienischer und französischer Quellen. Schon damals stehen die Themen Liebe und Abenteuer im Mittelpunkt. Die Geschichten sollen der Unterhaltung und Erbauung dienen – quasi nebenbei sichern sie durch die Abdrucke aber auch den Fortbestand vieler Sagen und Märchen für die Nachwelt.
Umfassender Eskapismus
Über die Jahre in Vergessenheit geraten, erlebt die Gattung im 19. Jahrhundert ihre Renaissance durch die Romantik. Als Conversations- und Reiseliteratur vertreiben sie die Verlage in wöchentlicher Auflage an ihre Leser. Der Umfang entspricht dem Druckbogen – zunächst 24 oder 32 Seiten, später 50 bis 100 Seiten. Das hat sich bis heute – ein Heftroman hat stets etwa 64 Seiten – nicht geändert. Auch die Optik ist weitgehend gleich geblieben: Das Titelbild ist auffällig und farbenreich gestaltet, stellt oft eine dramatische Szene dar – Ausnahmen hiervon sind die Heftromane mit Heimat-Thematik; Hier liegt der Fokus auf der Darstellung der herrschenden Idylle – und trägt einen plakativen Titel: „Liebe wie ein Wirbelsturm“, „Maskenball der Gefühle“ „Wildererblut und Mädchenträume“, „Dr. Burgers schrecklicher Verdacht“, „Die Sünde einer Frühlingsnacht“ und „Herzensgold“ sind nur einige Beispiele. Passend zu der jeweiligen Szenerie wird auch der Autorenname gewählt, der Teil der Marketingstrategie ist. Den Heimatroman schreibt der bodenständig klingende „Andreas Kufsteiner“, Autor des Geisterjägers „John Sinclair“ ist „Jason Dark“. „Der Autorenname“, so Heftromanautorin Anna Basener „ist Teil der Gesamtinszenierung“. Sie selbst hat 30 Adelsromane geschrieben und mehr als 600 lektoriert. Natürlich unter dem klingenden Pseudonym „Catharina Chrysander“. Das Autorenpseudonym entspricht der Romanszenerie – Der Leser kauft nicht nur einen Heftroman, sondern ein Weltbild. Der Eskapismus der Heftromane ist umfassend.
Wo die Welt noch in Ordnung ist
Kaum verwunderlich also, dass der Heftroman besonders in Krisenzeiten am auflagenstärksten ist. Gibt es nach Kriegsende 1945 gerade einmal zehn Heftromanreihen, sind es 1949 bereits 130, kaum fünf Jahre später schon 162. Davon sind über die Hälfte Liebes- und Heimatromane, die restlichen spielen im wildwestromantischen, Gangster-, Science Fiction- und Geheimagenten-Umfeld. Gerade in der entbehrungsreichen Nachkriegszeit ist das Prinzip von Unterhaltung als Ablenkung zentral. Inmitten politischer Umbrüche und sozialer Unsicherheit bietet der Heftroman vielen Leser Trost – auch wenn dieser nur fiktiv ist – der einer „Hier ist die Welt noch in Ordnung“-Logik folgt.
Dass diese Logik eigentlich immer Hochkonjunktur hat, ist für die konstanten Verkaufszahlen der Verlage verantwortlich. Auch die konstante Kritik kann den Erfolg der Heftromane nicht verhindern: Seit den 1950er Jahren werden die Groschenromane, überwiegend von kirchlicher und pädagogischer Seite, aber auch durch die dem literarischen Wertekanon verpflichteten Medien wie DIE ZEIT oder DER SPIEGEL, zumindest als volksverdummend, wenn nicht sogar als politisch verdächtig (weil Opium für das Volk) beäugt. Dem kommerziellen Erfolg der Romane tut das keinen Abbruch. In den 1980er Jahren – der Hoch-Zeit des Heftromans – wurden jährlich rund 300 Millionen Exemplare verkauft. Der Wendepunkt kam schließlich aus einer ganz anderen Richtung. Wo pädagogische und literarisch-elitäre Normen versagten, war es ironischerweise ein anderes Unterhaltungsmedium, das dem Heftroman den Rang ablief: Mitte der 1980er Jahre eroberte das Privatfernsehen und – später – die Computerspiele die deutschen Wohn- und Kinderzimmer im Sturm. Vorbei war es mit den Tauschbörsen für Heftromane in den Städten, die wöchentlichen Warteschlangen vor den Kiosken wurden kürzer.
Heftroman 2.0
Und heute? Die großen Heftroman-Verlage Bastei-Lübbe und Cora versuchen den Sprung auf den Zug 2.0: „Der Bergdoktor“ und Co. sind jetzt Teil der Cloud und können online gelesen werden. Digital, günstig – und diskret. Man erkennt nicht, ob es sich um einen der berühmt-berüchtigten Groschenromane handelt oder um den aktuellen Roman des diesjährigen Nobelpreisträgers, wenn man in seinem schicken eBook-Reader in der U-Bahn schmökert. Auf dem eReader herrscht Gleichheit. Zudem passt die Kurzlebigkeit des Heftromans zu der modernen Geschwindigkeit des digitalen Selbstverständnisses. Informationen, Texte, Bilder werden konsumiert, weggeworfen und ersetzt durch Neues. Einweg-Literatur also. Der Heftroman passt hervorragend zu den Lesegewohnheiten des Internetpublikums. 20 Prozent seines Umsatzes generiert der Verlag Bastei-Lübbe bereits über digitale Inhalte. Die Annahme, die Heftromane stürben mit ihrer älteren Leserschaft aus, bestätigt sich also nicht. Im Gegenteil: Kurze, in einfacher Sprache gehaltene – „klickbare“ – Texte finden auch unter jüngeren Lesern Anklang.
Warum wir schmonzetten
Aber warum? Warum werden Heftromane immer noch – und immer – gelesen?
Einerseits, weil die Verlage die thematische Ausrichtung durchaus dem geltenden Mainstream entsprechend modernisieren: Im Zuge des auf die Roman-Reihe „Fifty Shades of Grey“ folgenden Erotik-Hypes wurden die sexuellen Inhalte expliziter und einige Romanreihen greifen etwa die Teenie-Mystery-Romanzen-Rezeptur der „Twilight“-Serie auf. Und manchmal wird der konservative Wendekreis der Romane tatsächlich auch durchbrochen: So plant der Verlag Cora für diesen Sommer etwa drei Testbände mit homosexuellen Paaren.
Andererseits werden Heftromane noch immer gelesen, weil sie dem Leser etwas bieten, das so schlicht wie durchschlagend und außerdem zeitlos ist: Ein gutes Gefühl. Die Leserschaft sammelt sich dementsprechend entgegen aller Vorurteile auch nicht in den sozial einfacheren Schichten. „Die Fans der Heftromane“, so Verlagsmanager Florian Marzin, „ziehen sich quer durch alle Schichten“ und durch alle Altersgruppen und Geschlechter.
Vom guten Gefühl
Dass die Gattung des Heftromans negativ konnotiert ist, liegt vor allem am herrschenden Wertekanon des akademischen Literaturbetriebs, der den Korpus Literatur seit dem 17. Jahrhundert in Hochliteratur „und den Rest“ aufteilt und literarischen Texten damit zugleich eine moralische Dimension einschreibt, indem sie normativ evaluiert werden: in „gute“, oder eben „schlechte“ Literatur. Der Wert von Literatur liegt immer im Auge des Betrachters bzw. des Lesers. In diesem Falle eben in den Augen der dem Literaturkanon zugrundliegenden stilistischen und narrativen Wertvorstellungen. Die gerümpfte Nase gegenüber der Gattung ist also lediglich Ausdruck einer ganz bestimmten Herangehensweise an Literatur – nämlich der kanonischen. Genauso denkbar wären auch andere Ansätze.
Wie etwa der von Heftromanautorin Anna Basener, die Literatur sehr viel haptischer versteht: „Literatur darf auch gebraucht werden. Besser so, als wenn man ein Buch von mir kauft, das dann ungelesen im Schrank steht“. Diese Pragmatik der Literatur als Gebrauchsgegenstand findet ihre Entsprechung auch in den Inhalten der Heftromane: Dort wird pragmatisch gelebt, geliebt und gehandelt – ohne viel Komplexität, ohne viel Zaudern und Zagen. Strenggenommen, wie Anna Basener betont, ist es keine heile Welt, die hier gezeigt wird. Denn gerade erst durch die auftretenden Konflikte kann die Ordnung am Ende validiert werden. Aber es ist eine heilbare Welt. Und darin mag das Erfolgsgeheimnis der Heftromane zu finden sein: Sie lassen uns glauben, dass alles irgendwie schon klappen wird am Ende, dass es gut ausgehen wird. Das gibt uns ein gutes Gefühl. Und das ist ja nicht schichten-, alters- oder geschlechtsspezifisch – es ist allgemein menschlich.
orte.ohne.smartphone: DER FRIEDHOF
Ich denke, ich werde
einfach bleiben
genau hier.
Irgendwann
früher oder später
musst du ja vorbeikommen
– die Welt
dreht sich doch!
Wenn ich einfach
hier bleibe
läufst du mir
irgendwann
früher oder später
über den Weg
und dann
schaue ich einfach hoch
unter dem Windspiel
meines jungen oder alten Lids hervor
streiche mir den Staub
von den jungen oder alten Wangen
stehe auf
nehme deine junge oder alte Hand
in meine
junge oder alte Hand
und sage natürlich
Ach was
wenn du fragst
ob ich lange habe warten müssen
Durch Traumtüren
trete ich
und tausend Kilometer
zurück in das schöne Gestern
Bebe doch
die Schienenspur entlang
Wasser in den Lungen meiner Heimat
was hätte ich tun sollen
Ich wäre doch ertrunken!
Die Erinnerung hält inne
dreht sich auf einem Fuß
um 180 Grad
und geht zurück
Geht zurück?
Ich komme anders an
diesmal
meine Haut schwelt
meine Hoffnung wagt ihr eigenes Verb
Wie buchstabiert man Leichtsinn?
Du
am anderen Ende der Straße
ich kenne deinen Namen
Ich rufe
hörst du mich nicht?
Vielleicht
ist die Straße zu weit
oder
meine Stimme zu schwach
oder
deine Ohren zu taub
oder
dein Name falsch
oder
dein Name in meinem Mund
falsch
oder
dein Name zu kurz um
über die Straße zu reichen
oder
vielleicht
habe ich nicht gerufen
vielleicht
stand ich nur stumm
und nur
mein hoffen
rief dich an
aber mein Hoffen
ist mundlos
und so blieb es still
über der Straße
und du
am fernen Ende
weit von mir
