Biken ist wie Liebe machen.

Es kommt nicht auf die Geschwindigkeit an (und nicht – aber das nur am Rande – auf die Größe, hier: der Laufräder). Sicher. Wer kennt ihn nicht, den Rausch der Geschwindigkeit, den Reiz des Rasanten, das Tolle am Tempo? Die menschliche Rollercoaster Zu-Neigung. Huiiiiiii! Das Adrenalin pumpt, das Endorphin  geht durch die Decke. Und wir erreichen das Ende des Rollercoasters, des Trails, der Rennstrecke etc pp außer Atem. Etwas zittrig. Mit einem Herzschlag, der sein Glück in den Kapriolen der Raserei findet.

Sicher. Wer kennt das nicht?

Aber erschöpft sich unser Sport darin? Das (un)popluäre Bild vom rücksichtslosen Mountainbiker, der sich pietät- und gedankenlos irgendwelche Wanderwege hinabstürzt und reihenweise gebrechliche Omis mit ebenso altersmüden Dackeln und wehrlose werdende Mütter ummäht, alles nur um des Rausches der Geschwindigkeit Willen – ist dieses Bild die unauflösbare Crux des Sports? Eben weil es vor allem darum geht: Um das Tempo auf dem Trail?

Zweifellos. Es gibt die Minderheit der Rücksichtslosen. Der Tempo-Egomanen. So wie es diese überall gibt. In nahezu jeder Sportart (ausgenommen vielleicht mal beim Schachspiel). Im Straßenverkehr. Im übertragenen Sinne letztlich in quasi jedem Aspekt des alltäglichen Lebens – von der Ampelüberquerung bis zum Büroalltag.

Aber diese, auch wenn es so manchem Mountainbike-Kritiker subjektiv so scheinen mag – sind in der Minderheit. Die stille Mehrheit hat andere Gründe, dem Trail zu folgen als die bloße Suche nach dem fastest pace.

Diese Gründe freilich sind so vielfältig wie die Menschen auf den Sätteln und unter den Helmen.

Für manche sind es die Momente inmitten der Natur. Wer einmal auf seinem Bike einem knorrigen Pfad folgte, der sich zwischen Herbstlaub und dunklen Stämmen dahinwand und dahinter das letzte Tageslicht über die Felder eines späten Herbsts durch die immer wieder aufscheinenden Lücken der Bäume floß, weiß, wovon ich rede.

Für manche sind es die Momente des Flows, des Zu-sich-kommens, des Eins-werdens mit dem Rad und dem Untergrund. Wer einmal auf seinem Bike einem Trail folgte und sich auf einmal ganz in dem Moment wiederfand, dass es nicht mehr das Rad war, das ihn fuhr. Sondern er ganz und gar das Rad. Und die Räder, die Dämpfung, das ganze Gerät unter ihm plötzlich eine bloße Verlängerung des eigenen Körpers darstellte und er auf der Erde, den Steinen, den Wurzeln, dem Moos, dahinfloß als wäre der Weg ein Teil von ihm selbst und erwüchse gleichsam aus ihm im schieren Augenblick, da er sich auf ihm fortbewegte, weiß, wovon ich rede.

Die Gründe, warum wir biken, sind so unterschiedlich wie wir Biker selbst.

Sicher ist aber. Es kommt nicht auf die Geschwindigkeit an. Eben wie beim Liebe machen. Die individuellen Vorlieben präferiere dann weiterhin jeder wie er mag.

A chacun ses plaisirs. 😉

 

Posted by:Nora Beyer

gamejournalist_autor_bikeguide

2 replies on “Die Liebe in Zeiten des Shredding

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