Alles hat mit diesem verdammten Traum angefangen. Oder eher: Mit dieser Angst, dieser leisen, die immer schon da gewesen ist, aber mir nun – nachdem ich die gefühlt greise Schwelle zu meinem dreißigsten Lebensjahr überschritten hatte – mitten ins Gesicht trat. Die Welt wartet mit Träumen auf dich, das zumindest dachte ich die längste Zeit meines Lebens. Dann lag die Universität hinter mir und die Realität war eine andere.

Die Welt wartet nicht mit Träumen auf dich. Sondern mit Bürostühlen.

Aber während mein Leben statt des Abenteuers von 9 to 5 verlief, stieß ich überall auf Traumschnipsel. Und den Widerstand.

In Jack Kerouac´s The Dharma Bums:

Because in the end, you won’t remember the time you spent working in the office or mowing your lawn. Climb that goddamn mountain.

Bei Max Frisch:

Oft, während ich hier sitze, immer öfter wundert es mich, warum wir nicht einfach aufbrechen – wohin?
Es genügte, wenn man den Mut hätte, jene Art von Hoffnung abzuwerfen, die nur Aufschub bedeutet, Ausrede gegenüber jeder Gegenwart, die verfängliche Hoffnung auf den Feierabend und das Wochenende, die lebenslängliche Hoffnung auf das nächste Mal, aus das Jenseits – es genügte, den Hunderttausend versklavter Seelen, die jetzt an ihren Pültchen hocken, diese Art von Hoffnung auszublasen: Groß wäre das Entsetzen, groß und wirklich die Verwandlung.

Ja, selbst im Trash-TV schlägt einem die Sehnsucht nach Ausbruch entgegen: Goodybe, Deutschland! Klar mit naiver Grundstimmung. Oder wer meint schon ernsthaft nach Spanien auswandern zu können ohne ein Wort Spanisch lernen zu müssen? Völlig egal. Tenor war: Der uralte Traum von Freiheit, Ferne und Abenteuer muss nicht am Schreibpültchen enden. Die Welt mag kartographisch komplett erschlossen sein. Aber wir, die wir brav unsere Jahresurlaube auf den Malediven verbringen und ansonsten pünktlich im Büro sitzen, wir haben doch keine Ahnung. Da wartet das Abenteuer immer noch an jeder Ecke. Also los!

Gedacht, getan.

Der Plan:

Mit dem Rad von Nürnberg zum Nordkap. Allein als Mädel. 30 Tage. 3.200 km. Ein ganzer verdammter Haufen Höhenmeter. 110 km pro Tag. Pausentage? Null. Nada. Nüscht. Schmerzen? Geil! Erkenntnisgewinn? Mal sehen. Existenzielle Fragen, die sich auf endlosen Kilometern im Gegenwind stellen: Voraussichtlich ein ganzer Haufen, so Pi mal Daumen.

Nur, wo anfangen?

Mit dem Naheliegendsten natürlich: Der Route!

Ach, Moment. Davor noch ein kleiner Schritt: Guten Mutes das Herz festhalten und den Arbeitsvertrag kündigen. Oder nicht verlängern. Oder aussetzen. Wir wagen den Schritt in das Unbequeme, das Unbekannte oft nur, indem wir Brücken hinter uns abbrechen. Ansonsten kehren wir immer um – das ist nur allzu menschlich. Wir gehen dann nach vorne, wenn es keinen Weg zurück gibt.

Jede Reise markiert zugleich den Übergang in etwas Neues. Der Schritt ins Wagnis – in meinem Fall von der geregelten aber eindimensionalen Anstellung als Arbeitnehmer zur Entwicklung hin als freiberuflicher Game Journalist, Autor und Bike Guide.

Warum das Nordkap? Nachdem ich 2016 bereits drei Monate und 4.500 km durch Mittel- und Westeuropa geradelt bin, will ich diesmal in den Norden. In meiner Vorstellung riecht es da nach Schnee und Eis, die Landschaft ist karg, rauh und vergibt nichts. Und der einzige konstante Wegbegleiter ist der beißende Wind. Genau die richtige Echokammer für das Ringen gegen die eigenen Ängste und Unzulänglichkeiten.

Wenn ich das schaffe, schaffe ich alles. Pathetisch ausgedrückt.

Genug des Vorworts und bedeutungsschwangerer, existenzieller Überlegungen!

Legen wir los!

Mal sehen.

Route erstellen und auf das Navigationsgerät meines Wunsches laden…Bei den Kartengrößen gar nicht so einfach.

Wie? Aha. So könnte es funktionieren…

Ungefähr neun Stunden später…

Aha! Heureka! Ich hab´s!

‘*%$&$”´?”§/ (zensiert)! Doch nicht. Diese vermaledeite Route!

Nach weiteren drei Stunden in Gesellschaft von Mapsource, dem Garmin Endgerät und DEM INTERNET ALS LEXIKON FÜR VERQUERSTE PROBLEMLÖSUNGEN habe ich es geschafft!

Hier nun die Route:

Ihr wollt selbst hinaus ins Abenteuer und ringt mit der Routenerstellung? Oder der einschlägigen Software? Ich helfe euch gerne.


Und in der nächsten Episode:

EPISODE 2: Auf der Suche nach Sponsoren

Posted by:Nora Beyer

gamejournalist_autor_bikeguide

4 replies on “RIDE YOUR F***** BIKE! Von Nürnberg zum Nordkap in 30 Tagen. EPISODE 1: Die vermaledeite Route

  1. Hallo Nora,
    willkommen im IBC Dimb Racing Team. Bin sehr auf Berichte deiner Tour zum Nordkap gespannt. Viel Glück wünscht dir Teamkollege Jürgen alias Rotwild Ritter.

    Liked by 1 person

    1. Hallo Jürgen!
      Vielen Dank! Ich freue mich total, dabei zu sein! Am 28.2. wird es hier weitergehen und eine große Überraschung geben 🙂 Also – dabei bleiben 🙂

      Liebe Grüße! Nora

      Like

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